Januar 24 2019 00:02:01
Navigation
· Startseite
· Suche
· Aktuelle Termine
· Inhaltsverzeichnis
2010
· Ausgabe 1
· Ausgabe 2
· Ausgabe 3
· Ausgabe 4
2011
· Ausgabe 5
· Ausgabe 6
· Ausgabe 7
· Ausgabe 8
· Sonderausgabe 2011
2012
· Ausgabe 1
· Ausgabe 2
· Ausgabe 3
· Ausgabe 4
· Ausgabe 5
· Sonderausgabe 2012
Tourseiten
· Sverker Tour 2012
Login
Benutzername

Passwort



Noch kein Mitglied?
Klicke hier um dich zu registrieren

Passwort vergessen?
Um ein neues Passwort anzufordern klicke hier.
Mittelalter Topliste
Mittelaltermagazin Topliste
Ausgabe 5 - Fabeltiere Teil 3 - Der Greif
Ausgabe Nr
Ausgabe Nr. 05/2011 Webmagazin / Webzeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 06.März 2011


Der Greif (lat. gryphus, gr. gryps, grypós)

Wie in dem einleitenden Artikel zur Reihe "Fabelwesen im Mittelalter" bereits aufgeführt, gestaltet sich eine Erscheinungsform von Fabelwesen durch das Zusammensetzen verschiedener Tiere, wobei oft deren Gegensätzlichkeit betont wird. Der Greif ist eines dieser Wesen. Er verkörpert sowohl die Stärke des erdverbundenen Löwen, als auch die Scharfsichtigkeit des Adlers, als Herrscher der Lüfte.

Die Symbolik des Greifen war eine sehr zwiespältige. Oft war er mit negativen Attributen behaftet, so sei er z.B. besonders Pferden und Menschen feindlich gesinnt, galt als gierig und grausam. Nicht einmal einen medizinischen Wert hatte er laut Hildegard von Bingen, zu gespalten sei sein Wesen und er hätte vom Löwen und vom Adler nur das Schlechteste mitbekommen.

Die Gestalt des Greifen setzt sich zusammen aus einem Löwenkörper, sowie den Schwingen und dem Kopf eines Adlers mit gekrümmten Schnabel. Einzig die spitzen Ohren sind keinem der beiden Tiere zuzuordnen. Die Erscheinung des Greifen hat sich durch die Zeiten kaum gewandelt, manchmal erscheint er jedoch besonders farbenprächtig, oder die vorderen Löwenbeine werden durch die kräftigen Adlerfänge ersetzt. Der Ursprung seines Namens wird in der indogermanischen Sprache vermutet und mit dem heutigen Wort "greifen" in Relation gesetzt, der griechische Name "gryps" vom Adjektiv "grypos" hergeleitet, das "hakig" oder "gekrümmt" bedeutet, was sich sowohl auf den Schnabel als auch auf die Klauen des Greifen beziehen kann.

Andererseits konnte der Greif aber auch als Symbol für Jesus Christus verwendet werden, der Löwenanteil verkörpere das Irdische, der Adleranteil das Göttliche. An Kirchen und Kathedralen gibt es Greifendarstellungen im Kampf gegen den Drachen, der im Mittelalter häufig für den Teufel stand. So war also dieses Fabelwesen trotz seiner Zweideutigkeit ein beliebtes Wappentier und ein Wächtersymbol wie in der Vorzeit; er beschützte Kirchenportale und Haustüren, hockte als Wasserspeier auf Kathedralendächern, schmückte Bucheinbände uvm.




Die Schwierigkeiten beim Fang eines Greifen oder im Kampf gegen ihn wurden als so groß erachtet, dass trotz der bezweifelten Heilfunktion seiner Körperteile, vermeintliche Greifenklauen, -eier und -federn teuer gehandelt wurden und dem Besitzer Glück bringen sollten, weil nur ein Heiliger solch Trophäen zu erringen im Stande war.
Laut einer mittelalterlichen Erzählung um Alexander den Großen, soll dieser einmal einen Käfig erdacht haben, in dessen sicherer Hülle er vier Greifen dazu brachte, ihn durch die Lüfte zu tragen. Hier findet sich das überlieferte Motiv vom Greifen als Sonnenvogel des Apollon wieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Greif eines der zwiespältigsten Fabelwesen des Mittelalters ist und es gibt über ihn weitaus weniger Quellen als über das Einhorn oder den Drachen.
 

Bereits im Altertum, 3000 v.Chr. tauchte er auf, sowohl im alten Ägypten wie auch in Mesopotamien. Sein Bildsymbol stand in der Regel für den siegreichen Pharao, der seine Feinde, in Form einer sich windenden Schlange, mit seinen Klauen niederwarf. Als mächtige Wächterfigur wurde der Greif durch die Jahrtausende oft paarweise dargestellt, häufig bewachten sie von zwei Seiten Symbole wie den Baum, als Baum des Lebens, eine Urne oder einen Altar. Auch zur Zierde von Fassaden und Friesen, sowie Gebäudesimsen diente er. In der Verschmelzung der beiden königlichen Tiere symbolisierte der Greif stets die Verbindung zwischen Himmel und Erde und wurde eng mit der Sonne assoziiert. Er galt als Verkörperung von dämonischen Kräften und seine bildhafte Bändigung als Reit- oder Zugtier sollte den Menschen zeigen, dass diese nicht unbesiegbar waren.
Im 8. Jh. v. Chr. nutzten die Griechen Greifenabbildungen als Verzierungen auf Töpferwaren, Mosaiken und bei Schnitzereien, es gab Prägungen auf Goldschmuck und Münzen. Auch auf Gräbern wurde er abgebildet, hier wirkte er als Beschützer der Toten.
Im Mittelalter war der Greif für die Menschen mehr als ein Fabelwesen, er galt als real existierendes Tier. Die Ursache dafür ist wohl in einem Fehler der Bibelübersetzung aus dem Hebräischen in der griechischen Septuaginta zu suchen, hebr. peres wurde zu gr. grypa und in der lateinischen Übersetzung, der Vulgata zu Gryphis. Die gottesgläubigen Menschen nahmen jedes Wort der Bibel für bare Münze und wer sollte es also wagen, die Existenz des Greifen zu bezweifeln... die Annahme seines Lebensraumes im fernen Orient oder im hohen Norden machte die Überprüfung sowieso zu einer Unmöglichkeit für den Normalsterblichen.
Im Physiologus, dem vermutlichen Vorläufer der mittelalterlichen Bestiarien liest man über den Greifen, dass er am Morgen die Strahlen der aufgehenden Sonne auf seine Schwingen nähme und zusammen mit einem zweiten Greifen über den Himmel trüge. Das Motiv des Greifen findet sich in vielen mittelalterlichen Darstellungen, häufig wurde er in dekorative Tier- und Vogelmuster integriert, die als Mosaiken die Kacheln oder Fußböden in Gebäuden zierten; auch der Teppich von Bayeux weist Greifendarstellungen auf.

Eine Theorie der Kryptozoologie stellt die Skelettfunde von prähistorischen Sauriern mit vier Beinen und einem papageienähnlichen Schnabel, des Protoceratops,  als möglichen  Verursacher der Idee Greif dar. Sein großer Nackenschild hätte zudem als Flügelansatz fehl-interpretiert werden können.

Bis in die heutige Zeit zeugen viele Ortsnamen von der Faszination, die dieses geflügelte Fabeltier auf die Menschen ausübt, oft soll ein Greif bei der Entstehung der jeweiligen Stadt beteiligt gewesen sein. So berichtet z.B. die Sage, dass die Stadt Greifenberg ursprünglich auf dem Lübzower Berg errichtet werden sollte. Doch des Nachts trug ein Greif, der in der Nähe nistete, das herangeschaffte Bauholz an den Ort, an welchem die Stadt heute auch tatsächlich steht. Ähnliche Legenden ranken sich um die Gründung Greifswalds und anderer Städte.

Nicht nur Städte, auch Vereine, Autohersteller und ein bekannter deutscher Verlag führen den Greif in ihrem Wappen. Seine negative Symbolik tritt heute kaum noch in Erscheinung, er steht vor allem für Wachsamkeit, Klugheit, Scharfsinn und Weitsicht, seine Gestalt macht ihn zum Bindeglied zwischen Himmel und Erde, damals wie heute ist er ein kraftvoller Wächter.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vogel_Greif
http://home.planet.nl/~artrako/Historie/Grijpvogels-DU.html
http://www.physiologus.de/greif.htm
* "Einhorn, Drache, Basilisk" von Janina Drostel, ISBN: 978-3-7995-0188-0, erschienen im Thorbecke Verlag
* "Fabeltiere" Hrsg. John Cherry, ISBN: 978-3-15-010429-7, erschienen im Reclam Verlag
* "Tiere und Fabelwesen im Mittelalter" Hrsg. Sabine Obermaier, ISBN: 978-3-11-020137-6, erschienen im De Gruyter Verlag
Alle Abbildungen: Wikipedia

Geschrieben von Cornelia Niehus




Erscheinungsweise: Zweimonatlich Vervielfältigung nur mit Genehmigung Impressum

Adsense
Wandtattoo selber machen





TapeRay - Wandtattoo Community

Wandmotive | Wandtattos | Aufkleber
1,460,656 eindeutige Besuche