März 26 2019 06:15:42
Navigation
· Startseite
· Suche
· Aktuelle Termine
· Inhaltsverzeichnis
2010
· Ausgabe 1
· Ausgabe 2
· Ausgabe 3
· Ausgabe 4
2011
· Ausgabe 5
· Ausgabe 6
· Ausgabe 7
· Ausgabe 8
· Sonderausgabe 2011
2012
· Ausgabe 1
· Ausgabe 2
· Ausgabe 3
· Ausgabe 4
· Ausgabe 5
· Sonderausgabe 2012
Tourseiten
· Sverker Tour 2012
Login
Benutzername

Passwort



Noch kein Mitglied?
Klicke hier um dich zu registrieren

Passwort vergessen?
Um ein neues Passwort anzufordern klicke hier.
Mittelalter Topliste
Mittelaltermagazin Topliste
Seite 13 - Dezember 2010

Ausgabe Nr. 04/2010 Webmagazin / Webzeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 26. Dezember 2010


Der Drache ( lat. draco, gr. drakon )

Der Drache ist wohl das älteste und sagenumwobenste Fabeltier der Welt. In allen Kulturen und zu allen Zeitaltern gab es eine Vorstellung von diesem mächtigen Wesen, unterschiedlich in den Details aber übereinstimmend in vielen Grundzügen. Es gibt verschiedene Theorien, warum der Drachen sich trotz unterschiedlicher kultureller und religiöser Voraussetzungen immer ähneln. Eine davon baut auf der Idee auf, dass die Menschen Knochenfunde von urzeitlichen oder unbekannten Großtieren als Drachenknochen interpretierten, eine andere Theorie geht von einem kollektiven Unterbewusstsein aus, welches für alle Menschen dieselben Archetypen bereithält. Andere vermuten den Ursprung der Drachenvorstellung in Gegenden mit besonders großen Reptilien, wie Waranen und Krokodilen und meinen, sie sei von dort aus in die Welt verbreitet worden. Wirklich beweisen lässt sich keine dieser Theorien und so bleibt uns nur die Betrachtung der verschiedenen Drachenbilder und das Staunen über die Fantasie der Menschen.

Auch in Japan stand der Drachen in enger Verbindung mit Wasser und Regen. Bei anhaltender Trockenheit wurden Regenzeremonien durchgeführt, in denen man versuchte, den Drachen durch Zaubersprüche zum Aufsteigen zu zwingen, oder ihn durch das Ablassen des Wassers und das Lärmen mit Trommeln aus seinem Schlaf aufzustören. Auch hier galt der Drachen als Vorzeichen erfolgreicher Herrschaft oder reicher Ernten. Der Legende nach konnte sich nicht nur ein Drachen in einen Menschen verwandeln, sondern auch ein Mensch als Drachen wiedergeboren werden. Eine besondere Sage erzählt von Dracheneiern, die 1000 Jahre schlafend im Meer ruhen, 1000 Jahre im Gebirge und 1000 Jahre in Form eines Steines, der eine winzige Schlange enthält, auf das Schlüpfen des Drachen warten. Da sie als Steine beständig Feuchtigkeit absondern, sind sie beliebt als Tuschestein, allerdings ist Vorsicht geboten, denn nach den letzten 1000 Jahren schlüpft die Schlange und wächst dann so rasend schnell zu einem Drachen heran, dass dieser beim Aufsteigen in den Himmel das ganze Haus zerstört, in welchem der Stein bewahrt wurde.

Im Islam gelten Drachen seit dem 7. Jahrhundert als böse und auch in der Bibel wird der Drache dem Satan gleichgesetzt.

Die ersten bildlichen Drachenmotive stammen aus dem 4. Jahrtausend v.Chr.; da es aus dieser Zeit keine beschreibenden Texte gibt, bleiben Bedeutung und Absicht der Abbildungen unklar und es darf gefragt werden, ob überhaupt Drachen gemeint waren.

Im antiken Indien und Ägypten ähneln die ersten Drachen stark überdimensionierten Schlangen und es wird vermutet, das sie aus Schlangen verehrenden Kulten hervorgingen.
Im frühen China weisen die Drachen große Ähnlichkeit zu Eidechsen auf oder erscheinen als zusammengesetzte Wesen aus Schlangenkörpern und Tierköpfen.
In Vorderasien hatten die Drachen zwar auch den typischen Schuppenpanzer, waren ansonsten aber Mischwesen mit den Merkmalen von Kriech- und Säugetieren.

Die erste schriftliche Erwähnung finden die Drachen im babylonischen Weltschöpfungsmythos. Hier gebärt die Meeresgöttin Tiamat im Kampf gegen ihren Enkel Marduk "riesige Schlangen und grimme Drachen". Damit wird der Drache auch deutlich von der Schlange abgegrenzt und als eigene Lebensform klassifiziert. Bereits hier taucht auch schon die noch heute häufige Assoziation Drache + Wasser auf.

Da das griechische drakon sowohl "große Schlange" als auch "Drache" bedeuten kann, sind diese beiden sowohl in den griechischen Mythen als auch in der Bibel oft austauschbar.

Gemeinsam ist allen frühen Drachenvorstellungen, dass Drachen bösartiger Natur sind und nicht nur als Schatzhüter eingesetzt werden sondern auch allgemein als Hindernisse gegen die Kräfte des Guten.

 

In der mittelalterlichen Alchemie wurde der Drachen als Symbol für das "Material in seinem unvollkommenen, nicht veredelten Zustand" benutzt, ihn zu erschlagen, bedeutete, Metalle in einen nicht metallischen Zustand herabzusetzen. Ein Drache, der seinen eigenen Schwanz frisst, symbolisierte eine Verbindung aus Kupfer und Silber, die so lange mit Quecksilber erhitzt wurde, bis alle Spuren von Silber und Kupfer unsichtbar geworden waren. Der geflügelte Drachen stand für das flüchtige Element, der flügellose für das feste. So nutzten die Alchemisten den Drachen als Geheimsprache für ihre verborgenen Lehren.

In der Heraldik diente das Symbol des Drachen dazu, den Feind mit seiner Wildheit und Stärke abzuschrecken, oft erscheinen sie auch nur als Wappenträger, immer aber löst der Anblick eines Drachen gleichzeitig Bewunderung ob seiner Größe, Macht und Stärke als auch Entsetzen wegen seiner scheinbaren Unbesiegbarkeit aus.
So ist der Drachen von jeher der perfekte Gegenspieler für jeden Helden, der sich seinen Status als ebensolcher meist durch das Besiegen eines Drachen erkämpfen muss und als Belohnung normalerweise die Hand der Prinzessin erhält.

Auch in der Heilkunst kamen dem Drachen besondere Kräfte zu, so sollte ein Bad in seinem Blut unverwundbar machen, wie es im Nibelungenlied dem Siegfried zuteil wurde, wenn nicht ein Blatt ein Stück seiner Haut vor der schützenden Wirkung gesperrt hätte. Nach Hildegard von Bingen sollte im Drachenblut erwärmtes Wasser, "Steine im Menschen" zerbrechen, nach Petrus Candidus würden Zunge und Galle des Drachen in Wein gekocht, den Menschen helfen, die von bösen Geistern geplagt würden. Die Knochenasche des Meeresdrachen sollte vor Zahnschmerzen schützen oder diese heilen. Ob nun die Schuppen, das Blut, das Herz, die Klauen, der Speichel oder die Zähne, kaum ein Körperteil des Drachen gab es, dass nicht irgendwelche Wunderkräfte hervorbrachte und so florierte im Mittelalter der Handel mit Ingredienzien aus Drachenteilen.

In China wird der Drachen von jeher mit dem Regen, den Wolken, dem Himmel und dem Wasser assoziiert. Ihr Erscheinen wird eher als gutes Omen gedeutet und kündigt oft ein bedeutsames Ereignis, wie die Geburt eines bedeutenden Herrschers an. Das Erscheinen eines Drachen am falschen Ort oder zur falschen Zeit konnte aber durchaus auch ein schlechtes Vorzeichen sein. Der Aberglaube besagt, das Drachen im Winter in den Gewässern schlafen, mit dem Sommeranfang erwachen sie und wenn sie sich in den Himmel erheben, beginnt es zu regnen. Ihr Äußeres wird normalerweise beschrieben als ein schuppenbesetzter Leib mit vier klauenbewehrten Füßen, einer langen nach oben gerichteten Nase, einem Schnurrbart, behaarten Ohren, langen Hörnern und runden Augen. Die Anzahl der Klauen sagte etwas aus über den Stand des Drachen, so waren fünf-klauige Abbildungen dem Kaiser vorbehalten, dies war das Erkennungszeichen für den höchsten aller Drachen, dem Himmelsdrachen. Drachen zieren bis heute in China Tore, Dächer, kaiserliche Fahnen und Kleidungsstücke. Als Gestaltwandler sollten Drachen zur Paarung mit anderen Spezies fähig sein und behauptete manch Kaiser direkt von einem Drachen abzustammen. Verbreitete Motive des Drachen sind Abbildungen mit einem Ball oder einer Perle, welche unterschiedlich als Mond, Sonne oder Vollkommenheit gedeutet werden.

Besiegt werden konnte der Drache stets nur durch besondere Klugheit oder List, oder durch die Kraft eines reinen und gottesgläubigen Herzens, ein beliebtes Motiv in Heiligensagen.

Schon immer hat der Drachen die Menschen fasziniert und noch heute gibt es viele Zeugnisse für diese Faszination: Burgen, Orte, Seen und vieles andere wurden nach ihm benannt und in vielen Länder-, Stadt- und Familienwappen ist er zu finden. Bei Wikingern und Chinesen leistete er Schutz als Bugfigur und an Kirchen, auf Standarten sollte er den Gegner verunsichern.

In der modernen Psychologie wird der Drache mit dem inneren Schweinehund gleichgesetzt und der Kampf gegen ihn steht für die Überwindung der eigenen dunklen Seite.

In der modernen Literatur wird der Drache häufig nicht mehr als böses Wesen dargestellt, sondern als mächtige, weise Kreatur, von der es einiges zu lernen gibt für uns Menschen oder auch als niedlicher Kinderbuchdrachen, der überhaupt nicht zum Fürchten, sondern eher zum Knuddeln ist. Die Skepsis einiger Märchenforscher, ob die Abschaffung der bösen Drachen Sinn für unsere Kinder hat, da diese ja auch Schreckenssymbole bräuchten, die besiegt werden könnten, kann ich nur entgegenhalten, dass es genügend andere Symbolfiguren für das Böse gibt, z.B. den bösen Zauberer, die noch besiegt werden können und das selbst den kleinsten Kindern heute bewusst ist, dass es gute und böse Drachen, Hexen etc. geben kann.

So hat der Drachen seinen Weg aus der Urgeschichte des Menschen seinen Weg gefunden durch die Antike und das Mittelalter bis in die heutige Zeit und dabei nichts von seiner Faszination verloren, er ist also tatsächlich ein geschickter Gestaltwandler.

Quellen:

Bilder alle gemeinfrei aus http://www.wikipedia.de

"Einhorn, Drache, Basilisk" von Janina Drostel, erschienen im Thorbecke Verlag, ISBN: 978-3-7995-0188-0
"Rätseltiere" von Manfred Reitz, erschienen im Hirzel Verlag, ISBN: 978-3-7776-1358-4
"Tiere und Fabelwesen" herausgegeben von Sabine Obermaier, erschienen im De Gruyter Verlag, ISBN:978-3-11-020137-6
"Fabeltiere" von John Cherry, erschienen im Reclam Verlag, ISBN: 978-3-15-010429-7
"Das Drachenbuch" von Gitte und Giovanni Bandini, erschienen im Marix Verlag, ISBN: 978-3-86539-023-4




Erscheinungsweise: Zweimonatlich Verfielfältigung nur mit Genehmigung Impressum

Adsense
Wandtattoo selber machen





TapeRay - Wandtattoo Community

Wandmotive | Wandtattos | Aufkleber
1,494,355 eindeutige Besuche