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Mittelalter Topliste
Mittelaltermagazin Topliste
Seite 10 - Dezember 2010

Ausgabe Nr. 04/2010 Web-Zeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 26. Dezember 2010



Trota von Salerno - die erste Ärztin für Frauen



Trota von Salerno Trota von Salerno (*Anfang bis Mitte 11. Jh. – † 1097) - auch als Trota di Ruggerio bekannt - war die Tochter einer alten Adelsfamilie. Verheiratet war sie mit dem Arzt Johannes Platearius und hatte zwei Söhne, die ebenfalls Ärzte in Salerno wurden.
Sie gilt als erste große Medizinerin des Mittelalters und zählt zu den "Mulieres Salernitanae - den Frauen von Salerno“. Die Mulieres Salernitanae beschäftigten sich neben der Frauenheilkunde und den Kinderkrankheiten auch mit der zur Chirurgie. Eines der wenigen zeitgenössischen Zitate über Trota hinterließ der normannische Adelige Rudolf Malacorona, der im Jahre 1059 die medizinische Fakultät in Salerno aufsuchte und Trota begegnete. So heißt es in seine Aufzeichnungen über diesen Besuch: ".....er sei niemandem begegnet, der ihm in Fragen der medizinischen Wissenschaft hätte Paroli bieten können, außer einer vornehmen, sehr gebildeten Frau.....“.
In der damaligen Zeit war es außergewöhnlich, dass eine Frau studierte und sich vornehmlich der Erforschung von Frauenleiden und der Geburtshilfe widmete. Sie half den Frauen nicht nur im praktischen Sinne, sondern sie schrieb auch medizinische Fachbücher. Ihr wichtigstes und größtes Werk war "Passionibus Mulierum Curandorum" (De mulierum passionibus ante, in et post partum - Über die Leiden der Frau vor, während und nach der Entbindung - auch als Trotula Major bekannt), eine Abhandlung über Gynäkologie und Frauenkrankheiten. Ein weiteres wichtiges Werk war "Ornatu Mulierum", eine Schrift über Hautkrankheiten und Kosmetika, das nachträglich in den Trotula Major eingefügt wurde.
Besonders lag Trotula das Leiden der Frauen während der Schwangerschaft und der Geburt am Herzen. In ihrem Hauptwerk, dem Passionibus Mulierum Curandorum, schreibt sie in der Einleitung:
„Weil die Frau von Natur aus schwächer als der Mann ist und sich häufig mit Geburten abplagen muss, erwachsen ihr oft Krankheiten jener Organe, die dem Werk ihrer Natur geweiht sind. Darüber hinaus wagen Frauen aufgrund der Zerbrechlichkeit ihrer Konstitution und aus Scham und Verlegenheit heraus nicht, ihre Leiden an den Krankheiten – zumal an intimen Stellen – einem männlichen Arzt zu enthüllen. Ihr bemitleidenswertes Unglück und besonders der Einfluss einer Frau, die mein Herz bewegt hat, haben mich dazu angetrieben, ihre Krankheiten in klaren Worten zu erläutern, aus Sorge um ihre Gesundheit.“
Überhaupt zeugen ihre Schriften von erstaunlich fortschrittlichen gynäkologischen Kenntnissen und war nach heutigem medizinischem Wissen war sie ihrer Zeit in vielem weit voraus. So kannte sie die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frauen, gab Anleitungen zur Geburtenkontrolle und Vermeidung ungewollter Schwangerschaften und wusste Rat bei Kinderwunsch. Bei ausbleibender Schwangerschaft sah sie nicht nur die Frau als "Schuldige" sondern vermutete auch Ursachen beim Mann, was zur damaligen Zeit geradezu revolutionär war.
Trota von SalernoWeiterhin stand bei ihr die Gesundheitsvorsorge im Vordergrund, sie weist auf die Bedeutung von Hygiene, ausgewogener Ernährung und körperlicher Bewegung für die Gesunderhaltung hin und warnt vor Unruhe und Stress. Im Gegensatz zu den meisten ihrer männlichen Kollegen empfahl sie wie Hildegard von Bingen sanfte Medizin - Bäder, Salben und Massagen, die gut durchführbar und für die breite Masse der Menschen auch erschwinglich waren. Auch für die Geburtshilfe gibt sie sehr fortschrittliche, teilweise bis dahin unbekannte Anweisungen. So empfiehlt sie zur Vermeidung eines Dammrisses das Abstützen des Damms während der Wehen. Erfolgt trotzdem ein Dammriss, soll dieser „mit einem Seidenfaden in drei bis vier Stichen zusammengenäht werden". Den Hebammen gibt sie detaillierte Hinweise zur Prävention schwieriger Geburten und Schäden während der Geburt.
Zudem empfahl sie schmerzstillende Mittel bei Geburten, womit sie im krassen Gegensatz zur Auffassung der Kirche stand, die den Frauen ja die Erbsünde anlastete und von ihnen geradezu verlangte, Schmerzen, insbesondere Geburtsschmerzen, ohne Hilfsmittel zu ertragen.
Nach ihrem Tode wurde viel über ihre Werke geschrieben. Bis ins 16. Jahrhundert galt Trotula Passionibus Mulierum an den medizinischen Fakultäten Europas als Standardwerk.
Im Haupttext der Schule von Salerno, De Aegritudinum Curatione aus dem 12. Jahrhundert, die die Texte der sieben Großmeister der Schule enthalten, sind auch Trotula Lehren aufgeführt. 1544 erschien in Straßburg die erste gedruckte Ausgabe des Passionibus Mulierum, die auch einige naturwissenschaftliche Abhandlungen von Hildegard von Bingen enthielt.
Daneben gingen ihre Schriften ebenfalls in die Volksheilkunde über, und es begannen Legenden über ihre Person zu kursieren. So schreibt der Pariser Spielmann Rutebeuf, der zwischen 1215 und 1280 dichtete, lässt beispielsweise einen erfundenen Kräuterkundigen ein hohes Loblied auf Trota singen: „Ich bin ein Schüler der großen Dame mit Namen Trotula von Salerno, die Wunder jeglicher Art vollbringt. Und wisset wohl, sie ist die weiseste Frau in allen vier Winkeln dieser Welt.“
Aber auch viele negative Kritiken bis hin zur Verstümmelung ihrer Aufzeichnungen oder Umwandlung ihres Namens zu „Trottus“, gab es, da nach Auffassung einiger Medizinhistoriker die Schriften unmöglich von einer Frau stammen konnten. Das Hauptargument der Historiker, weshalb Passionibus Mulierum nicht von einer Frau stammen konnte und das sich bis ins 19.Jahrhundert hielt, war die offene Art und Weise, in der in dem Text über Sexualität und Geschlechtskrankheiten gesprochen wird. Insbesondere Kapitel 15, in dem Trotula über eine "Methode, die Vulva zu verengen, so dass eine verführte Frau für eine Jungfrau gehalten werden kann“ schreibt, scheint die Historiker außerordentlich schockiert zu haben.
Trotz dieser Verwirrungen und Legenden um die Person Trotulas zwischen dem 11. und dem 19. Jahrhundert wird ihre Autorenschaft des Passionibus Mulierum wissenschaftlich nicht bestritten. Nach wie vor gilt Trota von Salerno als erste und größte Gynäkologin des Mittelalters.



Schönheitstipps im Mittelalter



Der berühmte englische Dichter Geoffrey Chaucer (um 1340 – 1400) soll in seinem Hauptwerk „The Canterbury Tales“ auch auf Trota von Salerno zurückgreifen: Die Hauptfigur seines Werkes, Frau von Bath, ärgert sich darüber, dass ihr fünfter Gemahl, der Kleriker Jankin, mit großem Vergnügen in einem Buch liest, das voller frauenfeindlicher Anspielungen ist. Die Texte, die er liest, sollen die im Mittelalter weit verbreiteten Vorurteile bestätigen, Frauen seien hinterlistig und falsch. Als Beweis dafür soll Chaucer auf Trotas Traktat „De Ornatu Mulierum“ angespielt haben, in dem sie ausführliche Ratschläge zur Schönheitspflege gibt. Tipps, die in den Augen frauenfeindlicher Männer zu nichts anderem dienen, als von schönen Frauen betört und in die Falle der Ehe gelockt zu werden.
Kosmetik galt im Mittelalter als Gotteslästerung. Dennoch existierten diverse Sammlungen von Schönheitsrezepten und kosmetischen Tipps aus dieser Zeit. Besonders umfangreich war Angebot an Rezepturen zur "Entfernung lästigen Haarwuchses", die sich schon in der frühmittelalterlichen Rezeptliteratur finden. Allerdings waren die verwendeten Zutaten aus heutiger Sicht doch etwas gewöhnungsbedürftig und nicht immer besonders appetitlich.
Um dem damaligen Schönheitsideal, der allgemeinen Auffassung und der "gängigen Haarmode" zu entsprechen, nahmen die Frauen so manche Tortur auf sich und verwendeten recht abenteuerliche Mittel, deren Wirkung doch recht zweifelhaft erscheint.
Im "Lorscher Arzneibuch" - einem medizinisches Kompendium des 8. Jahrhunderts (Codex Bambergensis medicinalis 1) heißt es dazu:
„Ut capillos non renascant. Sandaraca, hyreus, iosquiami sucum equis ponderibus misce et loca contingens, et capilli cadent numquam ulterius exituri. ... Item aliud siue in oculis siue in quolibet membrum nepili renascant. cicute sucus cum aqua euulsit ex oculis pili et per triduum adhibebis et non renascunt. Item aliud. Urinam uituli cum sapa inlinis. Item. Sanguinem recini canini inlinis aut fel hyrondinis uel sanguine.“
Damit die Haare nicht wieder wachsen. Vermische Sandaraca, Iris und Saft vom Bilsenkraut zu gleichen Teilen und bestreiche den Ort, und die Haare fallen aus und kommen niemals wieder hervor. ... Ebenso ein anderes Mittel damit entweder um die Augen oder einem beliebigen Körperteil keine Haare mehr wachsen. Schierlingssaft mit Wasser vertreibt die Haare aus den Augen und wendest du es drei Tage an, wachsen sie nicht mehr nach. Ebenso ein anderes: Streiche Urin vom Kalb mit eingedicktem Most darauf. Ebenso: Streiche vom übrigbehaltenen Hundeblut darauf oder Schwalbengalle oder deren Blut.

Aber auch andere medizinische Bücher und Sammlungen weisen erstaunliche Rezepturen auf:
Wer will, das ihm das Haar nicht wächst, der breche das Haar aus und streiche Fledermausblut oder das Blut junger Kröten oder Hundemilch dahin, so wächst es nicht.
(Nürnberg, Stadtbibliothek, Cod. Amb. 55, Nr. 37)

Willst du, dass das Haar nicht wächst, so nimm Egel und tue sie in einen Topf und brenne sie zu Pulver. Und zur gleichen Zeit, zu der du das Haar ausgerupft hast, tue das Pulver daran.
(Karlsruhe, Kodex St. Georgen 73, fol. 205v und 214r)

Junge Schwalben zu Pulver gebrannt und mit Bibergeil und mit ein wenig Essig vermengt und eine Stunde über das Feuer gestellt, daraus soll man das Wasser auffangen. Dieses Wasser soll man aqua irundinea nennen. Dies Wasser mit Hyssopus officinalis läßt das Haar abfallen, wo man es einreibt und wächst nimmermehr.
(British Museum, Hs. Sloane 345, fol. 59v-60r)

Du sollst Quecksilber nehmen und es so lange mit einem wenig Essig schlagen, das es sich mit dem Essig vermischt, das es aussieht wie eine Salbe und es dann auf Pergament oder auf ein Tuch streichen, das lässt sie ebenso verbrennen.
(Stockholm, Königliche Bibliothek, HS X 113, fol. 2r)

In den ausgangs des Mittelalters gedruckten Arzneibüchern waren auch die Haarentfernungsmittel enthalten und zu Sammlungen zusammengefasst. Von dort fanden diese Mittel Eingang in die Hausbuchliteratur. Dazu findet man in Colerus` "Oeconomia ruralis et domestica" insgesamt neunzehn Haarentfernungsmittel. Darunter befinden sich nahezu alle oben genannten Mittel - neben den wirksamen auch jene mit absonderlichen Bestandteilen, wobei Colerus diesen noch einige hinzufügt: Katzendreck, Bocksgalle, Fledermaushirn, glühendes Gold, die Wurzeln von Schellkraut oder Maiglöckchen sind weitere "nützliche und hilfreiche" Bestandteile.
Die Hausbücher sorgten für die stete Bekanntheit der Mittel noch weit in den folgenden Jahrhunderten hinein. So erschien das Rezept mit den zu Pulver gebrannten Blutegeln noch im Jahre 1860 in Gollmanns Handbuch "Toilette-Lexikon für die elegante Welt"



Quellen:
Trota von Salerno - die erste Ärztin für Frauen
Trotula von Salerno
Frauen in der Medizin
Trotula
Rezepte zur Entfernung lästigen Haarwuchses
Hundemilch, Fledermausblut und andere Schönheitstipps




Erscheinungsweise: Zweimonatlich Vervielfältigung nur mit Genehmigung Impressum

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