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Mittelalter Topliste
Mittelaltermagazin Topliste
Seite 2 - Dezember 2010

Ausgabe Nr. 04/2010 Web-Zeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 26. Dezember 2010



Die Entwickelung des weihnachtlichen Brauchtums



Eigentlich wird das Weihnachtsfest erst seit 354 gefeiert. In diesem Jahr erklärte Papst Gregor den 25. Dezember zum Geburtstag Jesu. Damit folgte er der frühen Kirchenpolitik, denn man hatte die Absicht, heidnische Riten mit den eigenen Festen zu vereinen, um so den „Heiden“ den Übergang zum Christentum zu erleichtern. Weihnachten hat sich zwar seit dieser offiziellen Einführung im 4. Jahrhundert als christliches Fest behauptet, aber seine antiken und heidnischen Wurzeln sind bis heute erhalten geblieben - wenn auch vielfach durch christliche Einflüsse mit neuen Inhalten gefüllt.
Der 25. Dezember wurde schon immer als Tag der Wintersonnenwende gefeiert, und zugleich beging man in dieser Zeit verschiedene religiöse Feste: im vorderasiatischen Raum feierte man die Geburt des indischen Lichtgottes Mithras, die Ägypter huldigten mit dem Isiskult der Geburt des Horus, und die Römer hielten Feste zu Ehren des Gottes Saturn sowie seiner Gemahlin Ops am Tag Sol Invictus, am Tag des unbesiegbaren Gottes ab. Dazu kamen heidnische Bräuche der Germanen wie das Mittwinterfest, ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest, sowie das Julfest oder der Wotanskult.
Bereits um 217 versuchte Papst Hippolyt, alle diese Kulte durch ein christliches Fest zur Feier der Geburt Christi zu verdrängen, aber erst im Jahr 354 hatte Papst Liberius damit Erfolg, und so wurde am 25. Dezember 354 das erste christliche Weihnachtsfest in Rom begangen. 381 schließlich wurde dieses Datum zur Feier der Geburt Jesu Christi von Kaiser Theodosius auf dem 2. Konzil von Konstantinopel als allgemein gültig erklärt. In der Praxis sollte es dennoch lange dauern, bis sich Weihnachten im heutigen Sinn etabliert hatte. Das lag nicht zuletzt daran, dass in der orthodoxen Kirche die Geburt und gleichzeitig die Taufe Christi in Zusammenhang mit dem Beginn des Kalenders gesehen und damit am 6. Januar begangen wurden. In der westlichen Kirche galt der 25. Dezember seit 813 als Beginn des Kirchenjahres (heute der 1. Advent) und erinnert damit bis heute an die Tatsache, dass dieser Tag bis ins 16. Jahrhundert hinein als Jahresanfang gefeiert wurde. Das Wort "Weihnachten" ist erst seit dem 12. Jahrhundert belegt; es taucht 1170 in einem Gedicht des fahrenden Sängers Spervogel auf:

"Er ist gewaltic unde starc,
der ze wihen naht geborn wart:
daz ist der heilige krist.
jà lobr in allez, das der ist.
niewan der tievel eine
durh sinen gròzen übermuot
sò wart ìme diu helle ze teile."

Gewaltig ist er und ist stark,
der zu Weihnacht geboren ward:
das ist der heilige Christ.
Es lobt ihn, was erschaffen ist.
Allein der Teufel nicht;
dem ward für seinen Übermut
zur Straf' zuteil der Hölle hart Gericht.
(Übersetzung von Weber-Kellermann)

Die Formulierung "ze wihen naht = zu der geweihten Nacht" weist auf die "geweihte Zeit" hin, die in der germanischen Welt die Opferzeit der Mittwinternächte war. Daraus hat sich dann im Laufe der Jahrhunderte das Wort "Weihnachten" gebildet, mit dem nunmehr das christliche Fest zur Feier der Geburt Jesu Christi bezeichnet wird.

Die Rau- oder Rauchnächte

Die Zwölf Raunächte dienen eigentlich in erster Linie der Interkalation zwischen dem Mondjahr und dem Sonnenjahr. Ein Mondjahr mit seinen zwölf ca. 28-tägigen Mondzyklen besteht aus 354 Tagen. Bis zu den 365 Tagen des Sonnenjahres fehlen demnach elf Tage und zwölf Nächte.
Dieser zu keinem der beiden Jahre gehörende Zeitraum "zwischen den Jahren" ist von jeher als besonders magische und mystische Zeit angesehen worden. Es war die Zeit der sprechenden Tiere, der Wechselbälger, Orakel usw. Aber auch ganz besonders die Zeit der Geister und Dämonen.
Die Raunächte beginnen in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember und enden mit der Nacht zum 6. Januar. Eigentlich aber ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, die Julnacht, die erste Nacht dieser zwölf magischen Nächte. Die Verschiebung des Datums liegt an der Einführung des Gregorianischen Kalenders. Bis zu seiner Einführung war die Nacht vom 24./25.Tag des Julmondes (Dezember) die Nacht der Wintersonnenwende. Durch die Angleichung des Kalenders an das Sonnenjahr "verschob" sich das Julfest auf den 21. Dezember.
In den Raunächten blieb das Jahresrad stehen. In der nordischen Mythologie stand die Sonne in der Zeit nach der Wintersonnenwende zwölf Tage lang still. Altes ist noch nicht ganz gegangen, das Neue ist noch nicht stark genug. Die Kräfte, die das Rad des Jahres antreiben, manifestieren sich in dieser Zeit. Alles wird durcheinander gewirbelt. Jetzt sind die Nächte am längsten, hoch im Norden herrscht gar die Polarnacht mit völliger Dunkelheit.
“Die Nordmänner senden in der langen Midwinternacht Boten auf die Gipfel ihrer Berge, um die wiederkehrende Sonne zu erspähen. Dann erhebt sich ein unermesslicher Jubel und man feiert das Fest der frohen Botschaft des Lichts.” schreibt schon der römische Gelehrte Plinius der Ältere.
Dies ist die Wolfszeit der Edda, in der die Sonne schwarz wird. Daher der Volksglaube, man dürfe in den "Zwölften", wie die Raunächte auch genannt werden, den "Wolf" nicht beim Namen nennen. Die Nächte galten als Los- und Orakelnächte, über denen ein geheimnisvoller Zauber liegt, eine Zeit der den Runen lauschenden und das Orakel erforschenden Nächte, in der zugleich ein heftiger Kampf zwischen den todbringenden Mächten der Finsternis und den belebenden Kräften des Lichtes tobt. Auch die Menschen sind in dieser Zeit besonders empfindsam, genau wie der kleine Lichtfunke, der sich gerade erst entfaltet hat und noch besonderen Schutz benötigt. Es sind die Nächte Odins, der obersten Gottheit, die erfüllt waren vom Brausen des Sturmwindes, vom Bellen der Hunde, Wiehern der Rösser und Wehklagen der Walküren, eine Zeit, in der jede Tätigkeit ruhen musste. Es durfte kein Recht gesprochen, kein Wasser aus dem Brunnen geholt und keine Kuh gemolken werden. Mit dem Verabreichen des Gildebrotes (Gilde von altgermanisch "gield" oder "gildi", was opferbereite Brüderschaft bedeutet) versuchte man, die himmlischen Mächte zu versöhnen und die Angst zu überwinden, weiterhin der Kälte und Finsternis ausgeliefert zu sein. Man glaubte, dass Odin in dieser Zeit allen toten Seelen, bösen Geistern und Dämonen Ausgang gewährte. Mit Weihrauch mussten diese wieder aus den Häusern vertrieben werden. Vielerorts wurden und werden in dieser Jahreszeit lärmende Umzüge mit fratzenhaften Masken veranstaltet, womit man den Dämonen das Fürchten lernen will. Ein Überbleibsel davon sind die Perchtennacht und der Karneval.

Vier der Raunächte waren besonders bedeutsam und galten als gefährlich.

21./22. Dezember, die Wintersonnenwende
24./25. Dezember, die Weihnachtsnacht
31. Dezember/1. Januar, die Silvesternacht
5./6. Januar, die Dreikönigsnacht

Diese vier Nächte erforderten vielerorts eine besondere Ordnung. So wurde häufig gefastet und gebetet, um die Dämonen aufzuhalten. Auch durfte im Haus keine Unordnung herrschen. Besonders war es untersagt, Wäsche auf die Leine zu hängen, da sich in ihr die "Wilde Jagd" verfangen könnte und großes Unglück bringen würde - das galt besonders für junge Frauen, da nach dem Volksglauben die Wilde Jagd von der weißen Wäsche dieser Frauen angelockt und über sie herfallen würde. Auch durften Frauen und Kinder nach Einbruch der Dunkelheit sich nicht mehr außerhalb des Hauses aufhalten, da sie ein beliebtes Ziel der Geister und Dämonen waren.
Die Beachtung der Vorschriften wurde insbesondere im Alpenraum von den "Perchten" überwacht - die "Perchtenläufe" werden dort auch heute noch als Brauchtumspflege durchgeführt.
Ebenso war der Verzehr von Hülsenfrüchten zu unterlassen - denn wer Erbsen oder Hülsenfrüchte in dieser Zeit zu sich nahm, bekam Krätze, Geschwüre oder Ungeziefer und starb im nächsten Jahr. Auch jegliche Arbeit war in den Raunächten verboten, sonst fiel der Wolf in die Herde und das Vieh gedieh nicht.
Die Silvesternacht hebt sich hier nochmals besonders ab. Dem alten Glauben nach steht das Geisterreich offen, und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen, zauberkundige Menschen können sich in Werwölfe verwandeln und so die Bevölkerung heimsuchen. In ihr begann auch die "Wilde Jagd" in der nordischen Mythologie.
Die Wilde Jagd oder das Wilde Heer entspringt dem germanischen Glauben, dass der einäugige Odin bzw. Wotan mit seinem geisterhaften Gefolge zwischen den Jahren durch die Lüfte reiten. Er wird manchmal von seiner Gattin Frigg beleitet. Frigg wurde auch Frick, im Harz Frau Harke, in Thüringen Frau Holle und in Süddeutschland Frau Berchta genannt, obwohl die letzten beiden mit Hel und nicht mit Frigg identifiziert werden. Die Wilde Jagd wird auch von zahlreichen Tieren begleitet, unter anderem auch Odins Wölfe und Raben, aber auch die anderen Geister besitzen allerlei Tierfüße.
Die Seelen der Verstorbenen, ferner Schweine, Hasen und andere Tiere sollen in diesen zwölf Tagen das Gefolge der wilden Horde bilden. Dem Heer von 432.000 Geistern eilen 24 schwarze Hunde bellend voraus. Das Geisterheer braust nachts mit Jagdrufen und Hundegebell durch die Luft. Als Anführer des Totenheeres rast Odin als wilder Jäger (hier auch Wotan, Wode, Heiljäger, Hackelbernt, Herne etc. genannt) mit bedrohlicher Wildheit und Aggressivität auf seinem Schimmel Sleipnir durch die Lüfte. Meistens zeigt er sich bei dieser Gelegenheit zu Pferde in Hut und Mantel. Nur wer sich auf die Erde wirft und sich festklammert, wird von der Gewalt des wütenden Heeres nicht mitgerissen. Vermutlich haben deshalb die alten Germanen die Gräber ihrer Toten mit schweren Steinen bedeckt, damit die Seelen der Verstorbenen ihre Ruhe finden und von der wilden Hatz des Totenheeres nicht mitgerissen werden können. Sobald der Sturm vorüber ist, zieht sich der Sage nach das Wütende Heer zum Gelage in die Berge zurück. Frau Holle, die mit Freyja, Frigga oder am wahrscheinlichsten mit Perchta oder Hel identifiziert werden kann, ist Schutzpatronin dieser Tage. Sie mag es normalerweise nicht, wenn jemand faul oder unnütz in den Tag hinein lebt, sie ist sehr streng und achtet darauf, dass jeder seiner Bestimmung gemäß lebt und sich entwickelt. Nur in diesen zwölf Tagen erlaubt Frau Holle, dass man sich ausruht und ganz auf sein Inneres und Wesentliches besinnt. Sie schätzt es auch durchaus, wenn man ihr kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten macht. Vielleicht erweist sie sich dann im kommenden Jahr gnädig und erfüllt so manchen tief ersehnten Wunsch
Um diese Zeit sollten die Menschen ja nicht den Unwillen der Geister erregen. Die Arbeit hatte jetzt zu ruhen, und die Menschen sollten Rückschau halten auf das vergangene Jahr und sich auf das neue vorbereiten, um es würdig zu empfangen.
In den Raunächten entscheidet sich nach nordischer Mythologie das Geschick allen Lebens auf Erden, darum boten die Menschen alles auf, um dem werdenden Licht zu Hilfe zu kommen. Mit auserlesenen Räucherkräutern, Fichtenharz und Weihrauch sollte alles Böse vertrieben werden. Der alte Volksglaube hielt überhaupt daran fest, dass es in den Zwölf Nächten "umgeht", dass böse Geister und ganz allgemein die "Mächte der Finsternis" in dieser lichtarmen und darum gefährlichen Zeit ihr Unwesen treiben. Zu Jul bzw. Weihnachten lässt man alles hinter sich, was nicht mehr zu einem gehört. In den Raunächten bzw. zu Silvester werden gute Vorsätze für das nächste Jahr gemacht. Symbolisch nehmen die "Geister" der Raunächte alles mit, was die Menschen "über Bord" geworfen haben.
In vorchristlicher Zeit herrschte in diesen Tagen der Julfriede: alle Waffen ruhten und persönliche Streitigkeiten wurden in aller Öffentlichkeit beigelegt. Der Brauch der Waffenruhe hat sich bis in unsere Zeit hinein erhalten.
Auch die Arbeit der Hausfrau hat in dieser Zeit zu ruhen. Aus diesem Grunde werden spezielle große Brote und Früchtekuchen gebacken, die sich über die Raunächte hinweg halten.

Die Weihnachtsbräuche

In früheren Jahren war die Vorweihnachtszeit auch eine Zeit des Fastens, die damals vom 25. November bis Weihnachten dauerte und während der man nur ganz bestimmte Speisen und Getränke zu sich nahm:
Fastengebäck wie z. B. Fastenbrezeln
Fastenbier
Lebkuchen oder auch Pfeffer- bzw. Honigkuchen genannt; er war schon bei den Ägyptern, Griechen und Römern bekannt, die ihn den Göttern als unblutige Opfergabe angeboten haben
Spekulatius oder Springerle; Spekulatiusformen kannte man bereits um 2500 v. Chr. Es waren Holzmodel, auf denen Tiere oder weihnachtliche Motive dargestellt waren. Das Wort Springerle weist der Legende nach einen Zusammenhang mit dem Gott Wotan auf, indem es auf den reitenden Wotan hinweisen soll.
Gebildbrot, ein besonderes Brot, das im germanischen Brauchtum bei den Mittwinterfesten in Tierform als Opfer dargebracht wurde; später wurden aus diesem Teig auch Nikoläuse oder Engel hergestellt.
Die strengsten Fastentage waren der 23. und 24. Dezember, an denen nur Brotsuppe und getrocknetes Brot verzehrt wurde.

Der Heilige Abend oder Weihnachtsabend

In germanischer Zeit war dies der Abend vor den zwölf Rauhnächten. Man gedachte der Seelen der Verstorbenen, die nach heidnischem Glauben in diesen folgenden Nächten umherwandern würden. Außerdem feierte man das Fest der Wintersonnenwende, indem man allerorten Feuer entzündete, die die neu erwachende Sonne symbolisierten. Dieser Tag war auch ein Fasten- und Vorbereitungstag, an dem kein üppiges Essen gereicht wurde. Haus und Hof wurden gereinigt und aufgeräumt, und es darf keine Wäsche aufgehängt werden. Auch wenn sich verschiedene dieser Bräuche bis heute noch erhalten haben, so ist der Heilige Abend als Tag der Bescherung doch inzwischen sehr entfremdet worden.

Die Christmette

Das Wort "Mette" hat ursprünglich nichts mit einer Messe zu tun, sondern bedeutet Morgengebet, was im lateinischen "hora matutina" heißt und später zu "Mette" eingedeutscht worden ist. Inzwischen hat sich dieser Begriff als Bezeichnung für die Frühmessen/-metten wie z.B. zu Weihnachten eingebürgert.

Das Weihnachtsessen

Nach dem Ende der Fastenzeit genossen schon die alten Germanen am 25. Dezember ein ausgiebiges Festmahl. Dazu wurden wieder ganz bestimmte Speisen serviert, die ihre je eigene mythologische Bedeutung hatten:Fisch als Symbol für Wasser, Leben und Fruchtbarkeit rogenreicher Hering als Symbol für Geld und Glück Bohnen oder Linsen als Hoffnung auf Wohlstand Äpfel als Symbol für Gesundheit Salz und Brot als "Waffe" gegen den Tod.
Während es bei den Germanen zur Wintersonnenwende gebratenes/-en Schwein oder Eber gab, wird heute vielfach die Weihnachtsgans serviert. Diese Tradition stammt aus England und ist mit folgender Legende verknüpft: Am Heiligen Abend des Jahres 1588 war Königin Elisabeth I. gerade zum Abendmahl eine Gans aufgetragen worden, als ihr ein Offizier die Nachricht vom Sieg über die spanische Flotte "Armada" brachte. Zur Erinnerung an dieses freudige Ereignis soll die Gans seither zum Festtagsbraten avanciert sein.
Seit dem 15. Jahrhundert hat sich Weihnachten immer mehr zu einem Gabenfest entwickelt - ursprünglich, damit keiner hungern sollte. Da wurden dann vor allem die Armen und Angestellten bedacht, und auch das Vieh in den Ställen erhielt eine besonders geweihte Portion Futter. Dazu kommt die christliche Tradition des Schenkens aus Freude über das Geschenk Gottes, das er mit der Geburt seines Sohnes Jesus Christus den Menschen gemacht hat, und die sich in symbolischen Geschenken an andere Menschen als Sinnbild für Gottes- und Nächstenliebe äußert. Heute hat sich die Konsumgesellschaft in ihrem alljährlichen Kaufrausch zur Vorweihnachtszeit sehr weit von diesen ursprünglichen Wurzeln entfernt.

Gabenbringer

Bis zum 16. Jahrhundert brachte der Heilige Nikolaus den Kindern am 6. Dezember Gaben wie Äpfel, Nüsse oder Gebäck. Seit der Reformationszeit wurde er vor allem von den Protestanten vom Christkind verdrängt, das seine Geschenke von da an am 24. Dezember verteilte.
Trotzdem konnte der Nikolaus nicht aus dem weihnachtlichen Brauchtum verdrängt werden: er "arbeitet" seither als Weihnachtsmann am 24. Dezember sowie weiterhin auch als Nikolaus am 6. Dezember.

Der Weihnachtsbaum

In vorchristlicher Zeit wurden zum Yule-Fest in Nordeuropa riesige, mit Grün und bunten Bändern geschmückte Baumstämme zu Ehren der Götter und zu Ehren der Sonne, die heller scheinen sollte, verbrannt. Damals gab es also schon geschmückte grüne Bäume mit Lichtern – wie unser heutiger Weihnachtsbaum.
Zudem schmückte man das Haus im Winter mit grünen Zweigen, um den Sommer zu beschwören. Und zur Zeit der Wintersonnenwende wurden in den Rauhnächten grüne Zweige, die gleichzeitig Schutz vor bösen Geistern gewähren sollten und Zauberkraft besaßen (Gesundheit, Wachstum und Fruchtbarkeit in Haus, Stall und Feld), sowohl im als auch vor dem Haus aufgehängt. Die Farbe Grün ist außerdem die Farbe der Hoffnung.
Obwohl im Mittelalter bereits Kirchen und Klöster mit Tannengrün geschmückt wurden, dauerte es aufgrund dieser heidnischen Ursprünge und Zusammenhänge noch lange, bevor sich der Weihnachtsbaum durchsetzen konnte.
Einen Weihnachtsbaum in heutigem Sinne gibt es in Deutschland erst seit dem 17. Jahrhundert, mit Kerzen geschmückt sogar erst seit dem 18. Jahrhundert. Seit 1816 kennt man den Weihnachtsbaum auch in Österreich, seit 1840 in Frankreich, und durch den Adel gelangte er an die Fürstenhöfe in England, Dänemark, Russland, die Tschechoslowakei und viele andere Länder. Deutsche Auswanderer verbreiteten den Brauch in Amerika. Dort wird ein Weihnachtsbaum erstmals im Jahr 1746 erwähnt, der erste Weihnachtsbaum vor dem Weißen Haus in Washington wurde erst im Jahr 1891 aufgestellt.
Der verwendete Christbaumschmuck hat nicht nur eine jeweils eigene Symbolik, sondern veranschaulicht gleichzeitig auch den Wandel in der Bedeutung des Baumes, den Wandel vom Symbol der Fruchtbarkeit zu einem Zeichen christlicher Nächstenliebe.
In früherer Zeit verwendete man auch bunte Bänder und ausgepustete Eier als Symbole der Fruchtbarkeit Äpfel, Birnen, Nüsse, Oblaten und Lebkuchen wurden nach Weihnachten verzehrt oder an die Armen verteilt das Licht der Kerzen symbolisiert das Licht, das durch die Geburt Jesu Christi in die Welt gekommen ist der Stern an der Spitze des Baumes steht für den Stern, der den drei Weisen den Weg zur Krippe wies Geschenke am Baum symbolisieren die christliche Nächstenliebe als Spiegelbild der göttlichen Liebe; später finden sich diese Geschenke unter dem Baum, und der Weihnachtsbaum selbst verliert mehr und mehr seine eigentliche Symbolik.
Besonders in der heutigen Zeit ist der Weihnachtsbaum für viele Menschen fast nur noch ein Dekorationsobjekt und lässt von seiner symbolischen Bedeutung allenfalls noch in dem Weihnachtslied "O Tannenbaum" etwas ahnen.

Mittelalterliche Krippe

Die Weihnachtskrippe

Jesus wird in einem Stall in Bethlehem geboren und in eine Krippe gelegt. Diese Krippe soll später nach Rom gebracht worden sein, und daher errichtete Papst Liberius im Jahre 360 über dieser Krippe eine Kirche, die seit dem 9. Jh. Santa Maria Maggiore heißt. Die erste Weihnachtskrippe ist im Jahr 1223 in der Kirche des Heiligen Franz von Assisi bezeugt. Er stellte die Szene von der Geburt Jesu in einer Höhle bei Greccio, wo er lebte, nach und war damit der Begründer des Krippenspiels. Seither ist die Krippe aus dem weihnachtlichen Brauchtum nicht mehr wegzudenken, und alljährlich werden in den Kirchen von Kindern Krippenspiele aufgeführt, die das Wunder der Geburt Jesu nacherzählen und lebendig erhalten.

Die Weihnachtslieder

Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum, Weihnachtslieder u. Geschenke, das sind für Kinder die unverzichtbaren Bestandteile des Christfestes.
Die ältesten deutschen Weihnachtslieder stammen aus dem 11. Jahrhundert, bekannter und beliebter, weil melodischer und fröhlicher sind die volkstümlicheren Weihnachtslieder aus dem 18./19. Jahrhundert. So hat sich bis heute ein umfangreiches Liedgut angesammelt, das in Melodik und Inhalt zum Teil sehr unterschiedlich ist: ernste Kirchenchoräle (u.a. mit Texten von Martin Luther), einfache Kinderlieder, Ruprecht- und Nikolauslieder, Hirtenweisen oder Mariengesänge. Das Weihnachtslied hat - wie anderes weihnachtliches Brauchtum auch - über die Jahrhunderte hinweg einen Wandel in seiner Bedeutung erlebt. Es hat sich vom priesterlichen Sologesang in der Kirche über den Gemeindegesang zum Gesang der Familie im trauten Kreis unter dem Weihnachtsbaum entwickelt. Das Weihnachtslied ist in seiner Entstehung immer auch ein Spiegelbild des sich wandelnden Verständnisses des Weihnachtsfestes selbst.



Quellen:

Rüdiger Vossen: Weihnachtsbräuche in aller Welt, Christians Verlag, 1985
Werner Lenz: Alle Jahre wieder. Weihnachten von A-Z, Bertelsmann Lexikon Verlag, 1968
Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 151 deutsche Advents- und Weihnachtslieder. Kulturgeschichte, Noten, Texte, Bilder. Mit Klavier- und Orgel-Begleitung, Schott Verlag, 1982
Hartmut Ronge: Nikolaus und Weihnachtsbaum. Ursprünge, Sitten und Bräuche rund um die Weihnachtszeit, Hänssler Verlag, 1996
Andreas Lentz u. a.: Weihnachten neu erleben. Alte Bräuche - Neue Formen., Verlag Neue Erde, 1997
Franz R. Weinert: Der Weihnachtsfestkreis - Liturgie und Brauchtum, Matthias- Grünewald Verlag, 1993
Erika Casparek-Türkhan: Merry Christmas! Wie Weihnachten in aller Welt gefeiert wird, Lübbe Verlag, 1997
Karl Rahner: Gott ist Mensch geworden. Das Geheimnis von Weihnachten, Herder Verlag, 1995
Rudolf Steiner: Das Weihnachtsfest im Wandel der Zeiten, Rudolf Steiner Verlag, 1990
Hans D. Stolze: Weihnachten. Verkündigung, Liturgie, Feier, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1990
Radio-Nachgefragt Sendung vom 20.12.2006 - Welchen Ursprung haben Weihnachtsbräuche
Bild: Wikipedia




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