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Ausgabe 3 - Das Einhorn

Ausgabe Nr. 03/2010 Webmagazin / Webzeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 17. Oktober 2010


Das Einhorn ( lat. unicornis, gr. monoceros, fr. licorne)

Das Einhorn ist wohl eines der symbolträchtigsten und beliebtesten Fabelwesen seit dem europäischen Mittelalter.

Durch die fehlerhafte Übersetzung des Alten Testamentes aus dem Hebräischen ins Griechische während des 2. und 3. Jh. v. Chr. gelangte das Einhorn in die abendländische Religionswelt. Mehrfach wurde das Tier "Re´em" erwähnt, welches die 72 Übersetzer nicht zuordnen konnten. Eine Theorie besagt, das vielleicht einer der Übersetzer das Tier von einer Abbildung kannte und den, wie wir heute wissen, Auerochsen durch die seitliche Darstellung, bei der nur ein Horn zu sehen war, als Einhorn einstufte.

Zum ersten Mal ausführlich beschrieben wird es in der "Indiaka" (Indienbeschreibung) des griechischen Arztes Ktesias 400 v. Chr. Ihm zufolge glichen sie wilden Eseln, so groß oder gar größer als Pferde, mit weißem Körper, dunkelrotem Kopf und dunkelblauen Augen. In der Stirnmitte trügen sie ein etwa eine Elle (45 cm) langes Horn mit schneeweißer Wurzel, schwarzem Mittelteil und leuchtend roter Spitze. Schon Ktesias schrieb dem Horn heilende und vor Gift schützende Wunderkräfte zu. Er berichtet, ein Einhorn ließe sich unmöglich fangen und sei nur zu erlegen, während es seine Jungen zu Weide führte, da es diese bis zum Tode beschützen würde.

Julius Cäsar (100 - 44 v. Chr.) berichtet in seinen Commentarii De bello Gallico von einem Tier in den germanischen Wäldern, welches ein Rind sei, das einem Hirsch ähnele und auf der Stirn ein einzelnes Horn trage.

Der Gesandte Plinius beschrieb 77 n. Chr. in seinem Werk "Naturgeschichte" das [...] monoceros, ein Tier mit dem Körper eines Pferdes, dem Kopf eines Hirsches, den Füßen eines Elefanten und dem Schwanz eines Ebers; sein Gebrüll ist tief. Es besitzt ein einzelnes schwarzes Horn auf der Stirn, dessen Länge zwei Ellen beträgt. Es heißt, es sei unmöglich, dieses Tier zu fangen [...]

Im frühen Mittelalter gab es keinen Kontakt zwischen Indien und Europa und so waren die Menschen auf das "Wissen" dieser Werke angewiesen.

Auch im Physiologus, einem unbekannten Autor im 2. Jh. in Alexandria zugeordnet, wurde das Einhorn beschrieben und durch die Bestiarien des Mittelalters in der christlichen Mythologie verankert.

Aus der griechischen Mythologie stammt die Vorstellung, das Einhorn sei entstanden aus der Ziege Almathea, die den Zeus großzog. Der einen Legende nach verlor sie ein Horn, als sie Zeus vor seinem mordlüsternen Vater schützen wollte, einer anderen Legende nach war es Zeus selber, der ihr ein Horn abbrach und daraus das Füllhorn schuf.
Das Ziegenhafte der frühen Einhorngestalt mit dem Ziegenbart und den gespaltenen Hufen lässt sich vielleicht daher ableiten.

Bild:
Einhorn (Monoceros). Conrad Gesner, Historiae Animalium; liber primus, qui est de quadrupedibus viviparis, Zürich, 1551. Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei. Quelle: Wikipedia

Verwunderlich ist das Fortbestehen dieser äußeren Attribute auf mittelalterlichen Darstellungen des Einhorns in Bezug auf die christliche Mythologie, denn in dieser stellen Ziegenbart und gespaltene Hufe normalerweise für das Satanische. Eine mögliche Erklärung bietet ein Bestiarium der damaligen Zeit, welches das Einhorn dem Heiland gleichsetzt, der gleich einem Sündenbock in der Gestalt des sündigen Fleisches erschien.

Noch Marco Polo (1254 - 1324) war von der Existenz des Einhorns überzeugt, hatte er es auf einer seiner Orientreisen doch selber erblickt. Obwohl er eingesteht, dass das von ihm erblickte hässliche Einhorn nichts mit dem zu tun habe [...] wie unsere Geschichten melden [...], erkennt er nicht, dass das von ihm beschriebene Sumatra-Nashorn einfach kein mystisches Einhorn ist.

In der darstellenden Kunst soll das Einhorn schon in den Kulthöhlen der Jägerstämme aufgetaucht sein. Auf einem Papyrus aus der Zeit Ramses III., 1200 v. Chr. wurden ein Einhorn und ein Löwe abgebildet, welche sich bei einem schachähnlichen Spiel gegenübersitzen. Aus dem klassischen Altertum sind kaum Darstellungen bekannt, dafür aber viele aus dem Mittelalter.Dreidimensionale Einhornabbildungen gab es auch dort nur selten, bekannt sind hier vor allem Aquamaniles in Einhornform, das waren Gefäße, aus den an der Tafel Wasser oder Wein ausgeschenkt wurden. Halbplastische Einhörner traten hauptsächlich als Kirchenverzierungen in Erscheinung, hier meist als Symbol Christi.

Abbildung aus dem "Defensorium", eine Schrift zur Verteidigung der unverletzten und immerwährenden Jungfräulichkeit Marias, Autor: Dominikaner Franz von Retz (gest. 1427)

  Auf Gemälden und Wandteppichen wurde das Einhorn häufig dargestellt, normalerweise in Verbindung mit der es zähmenden Jungfrau oder als begehrtes Jagdziel.
Dieser symbolhaften Verknüpfung dieses Fabelwesens mit einer Jungfrau lag die religiöse Interpretation des Einhorns als Jesus Christi zugrunde. Das Betten seines Kopfes in den Schoß der Jungfrau, welche der Jungfrau Maria entspricht, wird durch das zusätzliche Abbilden des jagenden Erzengels Gabriel, zur Allegorie der Verkündigung der heiligen Empfängnis. Der Tod des Einhorns stand dagegen als Bild für des Opfertod Jesu. Diese Gleichnisse wurden mit dem Aufkommen der Reformation jedoch verboten.

Das Einhorn galt nicht nur als religiöses Symbol, es existierte auch eine durchweg weltliche Interpretation, die es zum Minnesymbol machte. So standen Einhorn und Jungfrau für die Liebenden, der Jäger für die Liebe selbst. Dieser Doppeldeutigkeit des mystischen Wesens, welches sowohl für Reinheit, Keuschheit und religiöse Hingabe stand, als auch durch seine phallische Symbolik für die weltliche Liebe und die Ehe, übte auf die Menschen eine große Faszination aus.

Die phallische Form des Hornes machte es zu einem beliebten Potenzmittel; dies entsprach der mittelalterlichen Signaturenlehre, welche besagte, dass ein Heilmittel schon durch seine äußere Form seine ihm innewohnenden Heilkräfte zu erkennen gäbe.
Weiter sprach man ihm Wasser reinigende Kräfte zu, weshalb das Einhorn eines der beliebtesten Wasserzeichen in der Papierherstellung wurde; es stand für hohe Qualität und sollte anzeigen, dass nur reinstes Wasser bei der Papierschöpfung verwendet wurde.
Das Horn eines Einhorns sollte nicht nur Gifte anzeigen können, das Trinken aus einem Einhornbecher sollte auch jegliche Vergiftung heilen. Viele Adlige hatten Trinkgefäße, in welche zumindest ein Teil eines angeblichen Einhorn-Hornes eingearbeitet war.
Im 12. Jh. sprach Hildegard von Bingen von einer Salbe aus Eidotter und Einhornleber, welche Lepra heilen könne. Ein Gürtel aus der Haut des Einhornes schützte ihrer Meinung nach vor Pest und Fieber, Schuhe daraus hielten die Füße gesund. All diese Heilkraft würde natürlich nur entfaltet, wenn Gott es so wolle, geschah nichts, mangelte es dem Nutzer einfach am rechten Glauben.

Noch heute ist das Einhorn ein beliebtes Symbol für Apotheken, aufgrund seiner Sicherheitssymbolik auch für Banken und Sparkassen.

 

  Kopf eines Einhorns über dem Eingang der Einhorn-Apotheke in Trier nahe der Porta Nigra, Urheber: Stefan Kühn. Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.

Quelle: Wikipedia



Die Tränen des Einhorns sollten Versteinerungen lösen, sein Blut unsterblich machen; kleine Nebenwirkung: Der Trinkende musste von diesem Moment an ein verfluchtes Leben führen. Nur selten wird ein Einhorn geboren, es vergehen drei bis zehn Jahre, bis es ausgewachsen ist und sein Horn voll entwickelt. Dann lebt es vorwiegend als Einzelgänger in seinem immergrünen Wald und kann auch karges, verwüstetes Land wieder zum Blühen bringen. Umstritten ist, ob Einhörner ewig leben oder zumindest sehr, sehr alt werden. Nur Jungfrauen oder Menschen reinen Herzens können Einhörner als solche erkennen, alle anderen sehen es lediglich als weißes Pferd.

Solche und ähnliche Legenden ranken sich um das Einhorn seit Jahrhunderten.

Die Wunderkräfte des Einhorns führten zu einem regen Handel mit seinen Körperteilen, insbesondere mit seinem Horn. Höhlenfunde und Ausgrabungen von Knochen, die die damaligen Entdecker nicht zuordnen konnten, wurden dem Einhorn zugeschrieben, tatsächlich waren es Überreste von Höhlenbären und anderen Urzeittieren.

 

 

Besonders der Stoßzahn des Narwals wurde als Einhorn-Horn gehandelt, sicher oft aus Überzeugung, aber genauso trotz besseren Wissens, denn der Narwal war bereits im Mittelalter bekannt und auch als Meeres-Einhorn oder falsches Einhorn vom "echten" Einhorn unterschieden.
Das Horn als kunsthandwerkliches oder mit magischer Schutzwirkung behaftetes Material wurde als Ainkhürn (Ein-Gehörn) bezeichnet.

 

 

 

Das "Ainkhürn" 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Narwalzahn. Inv.Nr. XIV- 2. in der Wiener Schatzkammer.
Bildmaterial: gemeinfrei
Quelle: Wikipedia

Noch älter als das europäische Einhorn ist das chinesische, welches von Chronisten bereits in das Jahr 2697 v. Chr. datiert wird. Es wird Qilin genannt, wobei sich das Qi auf das männliche und das Lin auf das weibliche Tier bezieht. Es besitzt einen Hirschkörper mit Pferdehufen und ein etwa dreieinhalb Meter langes Horn auf seinem wolfsähnlichen Schädel. Sein Fell schillert in allen Regenbogenfarben und sein Erscheinen gilt als Glück verheißendes Zeichen. Eines soll die Geburt des Konfuzius angekündigt haben.

In Japan steht das Einhorn Kirin für hohen Gerechtigkeitssinn.
In Indien ist es Symbol der Zeugungskraft.

In Persien heißt das Einhorn Shadhahvar und steht für höchste Grausamkeit, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, das 334 v. Chr. Alexander der Große auf seinem angeblich einhörnigen Reittier Bukephalos das Land heimsuchte.

In der Heraldik, in welcher Tierdarstellungen ansonsten eher auf den Namen des Wappeninhabers anspielten, hatte das Einhorn tatsächlich einen höheren Symbolgehalt als andere Tier- und Fabelwesen. Es wurde allerdings meist nur als Schildträger oder als dessen Bekrönung eingesetzt. Vor allem in deutschen Familienwappen war das Einhorn verbreitet, in England kam es zunächst kaum vor. Seit dem frühen 15. Jh. wurde es heraldisch Schottland zugeordnet, seit dem 16. Jh. findet man es zusammen mit dem Löwen ebenfalls in England als Wappenträger.

Sicher gäbe es noch vieles mehr über eines der bekanntesten und beliebtesten Fabelwesen zu berichten, dem interessierten Leser seien meine vielfältigen Quellen zur weiteren Lektüre ans Herz gelegt. Die genannten Bücher werde ich in der nächsten Ausgabe rezensieren.

Geschrieben von Cornelia Niehus 

Quellen:    
* http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite
* www.mittelalter-leben.de
* http://fossilien-news.blog.de/2007/01/12/fabelwesen_das_einhorn_war_nie_lebendig_~1546059/
* www.geo.de/GEOlino/
* http://www.abipur.de/hausaufgaben/neu/detail/stat/253048435.html
* http://wissenschaft.marcus-haas.de/
* http://www.tierlobby.de/rubriken/Tiergarten/huftiere/einhorn.htm
* "Einhorn, Drache, Basilisk" von Janina Drostel, ISBN: 978-3-7995-0188-0, erschienen im Thorbecke Verlag
* "Fabeltiere" Hrsg. John Cherry, ISBN: 978-3-15-010429-7, erschienen im Reclam Verlag
* "Tiere und Fabelwesen im Mittelalter" Hrsg. Sabine Obermaier, ISBN: 978-3-11-020137-6, erschienen im De Gruyter Verlag




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