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Ausgabe 3 - Fabelwesen im Mittelalter

Ausgabe Nr. 03/2010 Webmagazin / Webzeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 17. Oktober 2010


Fabelwesen im Mittelalter (Teil 1)

Die Idee zu der Reihe "Fabelwesen im Mittelalter" wurde angeregt durch meine Begeisterung für das "fantastische" Mittelalter.
Es geht hierbei nicht um Fabeltiere im klassischen Sinn, d.h. Tiere mit menschlichen Eigenschaften als Hauptdarsteller moralisierender Erzählungen, sondern um Wesen, die nie existierten und lediglich der menschlichen Fantasie entspringen. Da diese begrenzt wird durch erlerntes Wissen und Erfahrungen, gestaltet sie Fabelwesen meist auf folgende Arten und Weisen:

1. Durch die Vervielfältigung bestimmter Merkmale, z.B. die Köpfe     der Hydra oder die Beine des Sleipnir
2. Durch das Zusammensetzen verschiedener Tiere, wobei oft deren Gegensätzlichkeit betont wird, z.B. beim Greifen oder Manticor
3. Durch die Verbindung menschlicher und tierischer Gliedmaßen, z.B. beim Minotaurus, dem Kentauren oder der Meerjungfrau

So ist die Entstehung mancher Fabelwesen vielleicht auch einfach den unzureichenden Beschreibungen fremder Tierarten von antiken und mittelalterlichen Reisenden geschuldet. Denn wie soll man ein neues, bisher unbekanntes Wesen beschreiben, als durch den Vergleich ihrer einzelnen Körperteile und Merkmale mit denen bekannter Lebewesen? Nimmt man als Zeichner oder Autor solche Darstellungen beim Wort, entstehen die merkwürdigsten Kreaturen.

Einige Fabelwesen begegnen uns durch alle Zeiten und in vielen Kulturen, wenn auch in teilweise unterschiedlichen Formen und Bedeutungen. Ihr Entstehen ist oft verbunden mit Schöpfungsmythen und auf Grund ihrer übernatürlichen Kräfte und ihrer Macht über die Elemente sind sie häufig als Wächter heiliger Schranken und elementarer Grenzen zu finden. Sie bewachen Ein- und Ausgänge, besonders auch die Übergänge zwischen den Welten, sowie zwischen Leben und Tod.

Im Mittelalter wurden auch Fabeltiere einfach als Tiere angesehen und fanden Eingang in zeitgenössische Bestiarien, welche moralisierend tatsächliche und vermeintliche Eigenschaften von Lebewesen in übertragender Weise mit der christlichen Heilslehre verbanden. Die empirische Zoologie als Wissenschaft fand zunächst nur dort Verwendung, wo sie zur Wissensvermittlung in der Arbeit mit Tieren diente, z.B. in der Falknerei oder der Rossarzneimittelkunde. Hervorgegangen sind die Bestiarien aus dem Physiologus ( Der Naturkundige ), einer Schrift zur griechischen Naturlehre, vermutlich entstanden im 2. Jahrhundert in Alexandria, deren Autor unbekannt ist. Jeder Beschreibung der darin enthaltenen Steine, Pflanzen und Tiere ist ein einleitendes Bibelzitat vorangestellt, in ihrem Anschluss folgt jeweils eine theologische Auslegung.

Die Betrachtung und Symboldeutung von Tieren und Fabelwesen diente im Mittelalter also als Medium der geistigen Erfassung der Welt:

* zu ihrer Erkenntnis und Vergegenwärtigung,
das Tier/Fabelwesen als Ausdruck des schöpfergöttlichen Willens
* zu ihrer Strukturierung und Ordnung,
der Besitz und und die Jagd des Tieres/Fabelwesens als Demonstration von Macht und gesellschaftlichem Status
* zu ihrer Deutung und Bewältigung,
das Tier/Fabelwesen als Spiegel der Gesellschaft und moralisiertes Leitbild

Diese Funktion der Tier- und Fabelwesen macht sie zu mythischen Kreaturen; sind sie letztendlich auch Projektionen psychischer Zustände und seelischer Verfassungen, werden sie somit durchaus Realität. Fehlendes Wissen wird ergänzt durch Geschichten und diese in und durch Religion und Philosophie, Kunst und Literatur, Sitte und Brauchtum zum Wissen erhoben.
So entstehen Mythen, welche den Bogen vom Einst zum Jetzt schlagen und auf das Künftige verweisen, somit im Immer gründen.
Hieraus erklärt sich die ungebrochene Faszination für das Fantastische, das Übernatürliche, nicht Fassbare bis in die heutige Zeit.

In den folgenden Ausgaben will ich mich den einzelnen Fabelwesen widmen, ihrem Ursprung, ihrer Geschichte und ihrer Verbreitung. Wir schauen uns an, wie sich ihr Bild und ihr Symbolgehalt durch die Zeiten und von Kultur zu Kultur veränderte und was heute noch von ihnen erhalten geblieben ist.

 

Friedrich Justin Bertuch, Bilderbuch für Kinder,
1790-1830 (Eigenbesitz), Fabelwesen.
Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Quelle: Wikipedia

Geschrieben von Cornelia Niehus

Quellen:    
* http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite
* "Einhorn, Drache, Basilisk" von Janina Drostel, ISBN: 978-3-7995-0188-0, erschienen im Thorbecke Verlag
* "Fabeltiere" Hrsg. John Cherry, ISBN: 978-3-15-010429-7, erschienen im Reclam Verlag
* "Tiere und Fabelwesen im Mittelalter" Hrsg. Sabine Obermaier, ISBN: 978-3-11-020137-6, erschienen im De Gruyter Verlag




Erscheinungsweise: Zweimonatlich Verfielfältigung nur mit Genehmigung Impressum

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