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Mittelalter Topliste
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Sonderausgabe Mai 2012 - Teil 5: Salzgewinnung und Schmiedehandwerk in der Eisenzeit

Sonderausgabe Webzeitung - Webmagazin - Mittelaltermagazin für Freunde des Mittelalters Mai 2012


 

 

Astrid Rauner
 
Fünfter Teil:
Weißes Gold und schwarzes Metall:
Salzgewinnung und Schmiedehandwerk in der Eisenzeit
 
 
Nachdem die Landwirtschaft modernisiert, neue Weidegründe erschlossen und größere Siedlungen erbaut wurden, konnte sich im eisenzeitlichen Mitteleuropa eine langsam erblühende Hochkultur entwickeln, die als „Kelten“ in die Geschichte einging. Zwei wichtige Faktoren, die für alle Völker dieser Epoche von gleicher Bedeutung waren, sind noch zu nennen – die Auslöser und Garanten von Fortschritt und Wohlstand.
 
Salzgewinnung und Schmiedehandwerk in der Eisenzeit Chalkolithikum wird das erste Zeitalter genannt, in dem Metallverarbeitung bei Alltagsgegenständen angewandt wird. Die Kupferzeit ist das Ausklingen der Jungsteinzeit, eine Periode, die erste Waffen hervorbrachte und zum Teil grausame Funde hinterlassen hat. Der berühmte Ötzi wird ihr zugerechnet, der mit einer kupfernen Axt bewaffnet auf einem Bergpass zu Tode kam. Nur wenige Jahrhunderte vergehen, bis die Menschen aus dem Kupfer eine goldglänzende Legierung herstellen konnten, die zu prachtvollem Schmuck, Gefäßen und Waffen verarbeitet wurde. Die Bronze wird üblicherweise zu neun Teilen Kupfer und einem Teil Zinn hergestellt und erweist sich dadurch als wesentlich härter und widerstandsfähiger als Kupfergegenstände allein. Den Haken an dieser neuen Technologie stellte für die Bewohner Mitteleuropas nur die Verfügbarkeit des Zinns dar. Während Kupfer an vielen Stellen im heutigen Deutschland abgebaut werden konnte, musste das Zinn vor allem aus Großbritannien und anderen heutigen Nachbarländern importiert werden. Noch der Grieche Pytheas, der Jahrtausende später in der mittleren Eisenzeit mit einem Schiff in die Nordsee vorstieß, wusste von den „Zinninseln“ zu berichten, die das wertvolle Metall über hunderte Kilometer Entfernung handelten.
 
Unter diesen Umständen blieb Bronze auch während der Bronzezeit ein gewisses Luxusprodukt. Seine Herstellung ist aufwendig, das Ergebnis ähnelt Gold und war gerade bei Schmuck wegen seiner Ästhetik beliebt. Wann ein „massentauglicheres“ Ersatzmaterial gefunden werden würde, war eine Frage der Zeit gewesen. Und so tauchten bereits ab ca. 1500 v.Chr. die ersten Gegenstände aus Eisen in Europa auf.
Der Siegeszug des neuen Werkstoffes erreichte Mitteleuropa wieder aus dem nahen Osten. Auf dem Gebiet der heutigen Türkei und Israel wurden Techniken zur Verhüttung entwickelt, die über den Seeweg erst Griechenland, dann den Balkan und Italien und letztendlich auch Zentraleuropa erreichten. Im heutigen Deutschland waren es die natürlichen Lagerstätten West- und Südeuropas, die besondere Bedeutung erlangten. Das Eisen war im Tagebau in der Schwäbischen Alb und dem Rheinischen Schiefergebirge zu gewinnen – oder aber als Raseneisenerz nahe Gewässern einfach aufzulesen oder auszugraben.
 
Salzgewinnung und Schmiedehandwerk in der Eisenzeit Die Erzverhüttung wurde in großen, länglichen Rennöfen vorgenommen, die mit seitlichen Öffnungen gute Belüftung garantierten. Zusammen mit Holzkohle wurden die Erzbrocken erhitzt, bis sich das Material in das eigentliche Eisen, die sogenannte Luppe, und übrige Verunreinigungen, die Schlacke, aufteilte. Von den Kelten sind zwei verschiedene Ofentypen bekannt, von welchen bei einem die unbrauchbare Schlacke in eine separate Grube abgeführt wurde und bei dem anderen diese als Klotz im Ofen zurückblieb und dieser somit nur für den einmaligen Gebrauch gedacht war.
Noch einfacher stellte sich das Verfahren heraus, in einer Erdgrube Holzkohle und Eisenerz zusammen isoliert verhütten zu lassen, bis sich im Boden ein Schlackeklotz und oberhalb die Luppe absetzte. Im Gegensatz zu heutigen Öfen erreichte jedoch keine dieser Techniken Temperaturen oberhalb von 1300 °C, was nicht ausreichte, um das Eisen komplett von Verunreinigungen zu trennen, bzw. dieses Metall vollständig aus der Schlacke zu lösen. Die länglichen Barren, als welche Eisen bei den Kelten gehandelt wurde, mussten also beim Schmieden noch mehrfach von Rückständen befreit werden, bevor das Material zur Weiterverarbeitung verwendet werden konnte.
Wir wissen aus Experimenten, dass gut 90% des verfügbaren Eisens bei diesen Gewinnungstechnik in der Schlacke zurückblieb. Zusätzlich verzehrten die Verfahren Unmengen an Holzkohle, die in großen Meilern abseits der Siedlungen gewonnen werden musste. Die Eisenproduktion bedingte dadurch eine Auflichtung der Wälder in Mitteleuropa, die dem Bedarf an Eisenprodukten zum Opfer fielen. Im Vergleich zur Bronzegewinnung jedoch erforderte die Eisenherstellung große Erfahrung. Der aufwendige Umgang mit dem Material machte es zu Beginn erst einmal zum Material der Elite. Keltische Eisenschwerter fanden sich in der Hochphase ihrer Kultur nur bei den ranghohen Persönlichkeiten. Zu aufwendig und teuer war die Herstellung, bevor in späteren Jahrhunderten in Massen produziert werden konnte.
Das Eisen jedoch veränderte die Machtverhältnisse in Mitteleuropa. Während die Bronze, deren Bestandteile über weite Strecken gehandelt werden mussten, die Eliten an den Handelsstraßen stärkte, war Eisen nun nahezu überall verfügbar – und noch dazu härter und robuster. An die Macht kam – oder blieb – in manchen Teilen Mitteleuropas, wer die Versorgung mit einem anderen lebensnotwendigen Produkt garantierte – weißes Gold, das Salz.
 
Heute kann man es in jedem Laden kaufen und schimpft darüber, wenn zu viel davon im Essen gelandet ist. Das Salz ist alltäglicher Bestandteil jeder modernen Küche, obwohl es noch im letzten Jahrhundert das Überleben vieler Menschen im Winter sichern konnte. Denn seine größte Bedeutung erlangte die Natrium-Chlor-Verbindung als Konservierungsmittel, und das bereits in prähistorischer Zeit.
Jenseits der Küste sind die Salzvorkommen Relikte urzeitlicher Ozeane. Wenn kleine Buchten durch tektonische Bewegung vom restlichen Meer abgeschnitten und angehoben wurden, jedoch noch immer einen Wasserzufluss besaßen, reicherte sich dort durch Verdunstung das Salz an, das durch spätere Dynamik der Erdkruste mit Ton- oder Sandstein bedeckt wurde. Beim Herausheben der Gebirge in der Erdgeschichte gelangten die Salzvorkommen teils hoch hinauf in die Gebirge und wurden dort durch salzhaltige Quellen kenntlich.
Die Gewinnung des Salzes aus ebensolchem Wasser gehört zu den ältesten Salzgewinnungsverfahren der Welt. Bereits in der Jungsteinzeit füllte man das Wasser in kleine Tontiegel, sogenannte Briquetage, die in Öfen aufgereiht und erhitzt wurden, bis das Wasser verdunstet war. Das Salz blieb als Bodensatz zurück und konnte verwendet werden, sobald die Tiegel zerschlagen wurden. Salzquellen finden sich in ganz Deutschland. Für Hessen beispielsweise ist belegt, dass die salzhaltige Sole, die heute für die Bäder der Kurstadt Bad Nauheim genutzt wird, bereits zu keltischer Zeit in großem Stil zur Salzgewinnung verwendet wurde. Ertragreicher jedoch zeigte sich schon bald, Steinsalzvorkommen im Boden per Tagebau abzubauen, sofern dies möglich war.
 
Salzgewinnung und Schmiedehandwerk in der Eisenzeit Die beeindruckenden Hinterlassenschaften dieses florierenden Gewerbes finden wir heute in Österreich, wo das Salz neue Eliten schuf und ganzen Landstrichen zu keltischer Zeit Wohlstand einbrachte. Heute zeugt immer noch der Name von historischer Salzgewinnung. Das österreichische Hallstatt im Salzkammergut trägt mit der Silbe „Hall“ das keltische Wort für „Salz“. Die fantastisch erhaltenen Funde dieses Ortes haben einer ganzen Epoche keltischer Kultur einen Namen gegeben. Doch bereits zur Bronzezeit wurden hier Stollen in den Berg gegraben, um das Steinsalz mit Pickeln abzuschlagen und hinunter in die Täler zu bringen.
Die keltischen Hinterlassenschaften des Bergbaus sind reich in den Stollen. Bekannt ist, dass die Menschen vor gut 2500 bis 3000 Jahren sich Stück für Stück in den Berg durch Stollen hineinarbeiteten. Das einzige Licht, das ihnen dabei zur Verfügung stand, waren Kienspäne, die sie bei der Arbeit zwischen den Zähnen hielten oder – häufiger - von Kindern tragen ließen und einfach wegwarfen, wenn sie verbrannt waren. Noch heute finden wir meterdicke Schichten dieser Kienspäne im Berg. Zwischen ihnen sind lauter Alltagsgegenstände begraben, die dort verloren oder weggeworfen wurden.
Vermutlich verbrachten die Arbeiter den ganzen Tag in den Stollen, kochten dort und bauten das Salz ab, das in der Bronzezeit in ledernen Tragerucksäcken hinausgebracht wurde. Zu keltischer Zeit sind es vor allem die Frauen, die es als Blöcke mit Riemen oder an Tragehölzer befestigt den Berg hinunterbrachten – das ist heute noch an Abnutzungen von Skelettfunden ersichtlich. In Hallstatt wurde das Salz zu keltischer Zeit – aus welchem Grund auch immer – in herzförmigen, gut einen halben Meter hohen Brocken abgeschlagen. Vielleicht ließ es sich so gut transportieren. Die „Negative“ dieser Abschläge sind noch heute im Berg zu sehen. Stiege aus Holz verbanden die einzelnen Stollen miteinander, die teils bis zu 200m tief in den Berg hineinragten. Das Salz hat selbst Stoffreste erhalten, deren Webmuster und Färbung wir noch heute erkennen können – und manchmal, so ist es zumindest aus historischen Schriften überliefert – sogar Menschen, die mumifiziert in den alten Stollen geborgen wurden, jedoch leider auf Friedhöfen begraben wurden ohne, dass der Fund genauer untersucht worden war.
In Hallstatt und dem benachbarten Hallein florierte der Handel mit dem Salz. Reiche Grabfunde zeugen heute noch von dem Wohlstand, der damit erwirtschaftet wurde, bis die Salzgewinnung in Hallstatt jäh zum Erliegen kam. Die Region ist bekannt für Bergrutsche. Wahrscheinlich hat einer von ihnen die Stollen verschüttet. Ein ähnliches Szenario wird bereits für die bronzezeitlichen Bergbauer vermutet, deren Gruben ebenfalls mit Schutt verfüllt sind. Gegen Mitte der Eisenzeit wurden die Abbauarbeiten noch einmal aufgenommen, erreichten aber nicht mehr den Umfang der Arbeiten, die eine Region über Jahrhunderte hinweg zum Wirtschaftszentrum der Vorzeit machte. Hallstatt hat der ersten Blütezeit der Kelten seinen Namen gegeben. Es ist der Beginn der keltischen Eisenzeit in Europa, in welcher nördlich der Alpen Städte errichtet, neue Getreidesorten auf drainierten Äckern angebaut wurden, Viehhirten über hunderte Kilometer durch die Länder reisten und Salz wertvoller war als Gold.
Mit der Eisenzeit entwickelten sich Hochkulturen, die unser heutiges Leben maßgeblich geformt haben. Um sie vollends zu begreifen, sind zu viele Funden im Laufe der Epochen verloren gegangen. Doch ein Teil ihrer Hinterlassenschaften kann noch heute gesehen oder gefunden werden – all das, was unter dem Staub der Jahrtausende begraben liegt.
 
Zum Weiterlesen:
Sabine Rieckhoff & Jörg Biel: „Die Kelten in Deutschland“ – Theiss-Verlag, Stuttgart
Anton Kern et al. : „Salz-Reich – 7000 Jahre Hallstatt“ – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien
 
Das Copyright für den Text und die Bilder liegt bei der Autorin Astrid Rauner.
Zur Website der Autorin: astrid-rauner.de
 
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