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Mittelalter Topliste
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Sonderausgabe Mai 2012 - Teil 3: Kulturpflanzen und Innovationen der Eisenzeit

Sonderausgabe Webzeitung - Webmagazin - Mittelaltermagazin für Freunde des Mittelalters Mai 2012


 

 

Astrid Rauner
 
Dritter Teil:
Ackerbau:
Kulturpflanzen und Innovationen der Eisenzeit
 
 
Es begann mit einem Volk, das heute nur noch nach charakteristisch verzierter Keramik benannt ist. Die Bandkeramiker waren eine Gruppe von Menschen, die weitestgehend in den Nebeln der Geschichte verschwunden sind. Die meisten Details über ihr Leben werden auf ewig im Dunkeln bleiben. Wir kennen keinen ihrer Namen, keine ihrer Geschichten. Wir wissen lediglich, dass sie vor gut 8000 Jahren mit samt ihren Innovationen nach Europa einwanderten, um dort eine sprichwörtliche Revolution ins Rollen zu bringen – eine Revolution, die das bekannte Leben der Menschen vollkommen umkrempelte.
 
Acherbau Mit der Einführung und Kultivierung von Kulturpflanzen in Europa spricht die Wissenschaft von dem Beginn der Jungsteinzeit. Zum ersten Mal waren die Völker Europas nicht mehr gezwungen, ihrer Nahrung über weite Strecken zu folgen und als Jäger und Sammler zu leben. Stattdessen bauten die einstigen Nomaden feste Siedlungen und holten sich ihre Nahrungsmittel in Häusernähe. Es begann das Zeitalter des Getreides.
Das Korn, das heute von unserem Speiseplan nicht mehr wegzudenken ist, stammt ursprünglich aus den Waldsteppen Vorderasiens. Auf deren tiefgründigen, humusreichen Böden gedeihen hochwüchsige Gräser mit proteinreichen Früchten, die dank ihres guten Klebergehalts zum Backen von Brot und anderen nahrhaften Gerichten geeignet waren. Die ältesten Getreidesorten, die in Europa kultiviert worden sind, sind nahe Verwandte des Weizens: Einkorn und Emmer, die sich neben der Hirse und verschiedenen Hülsenfrüchten über Jahrtausende als Hauptnahrungsmittel der Menschen etablierten. Bis zum Beginn der Eisenzeit baute man die Feldfrüchte häusernah auf kleinen, beinahe quadratischen Parzellen an, deren Böden mit hölzernen Pflügen eher eingeritzt als wirklich gepflügt wurden.
 
Löß-Standorte spielen in der Geschichte des Ackerbaus wieder eine bedeutende Rolle. Sie sind die ersten Anbaugebiete von Getreide in Europa und boten nicht nur durch ihre Fruchtbarkeit stabile Erträge, sondern waren mit den technischen Mitteln von Stein- und Bronzezeit leicht zu bearbeiten. Zur gleichen Zeit waren hölzerne Pflüge für die Bearbeitung schwerer, tonreicher oder steiniger Böden schlecht zu verwenden – ein Umstand, dem zu Beginn der Eisenzeit Abhilfe geschaffen werden sollte.
Mit der Etablierung eines weit verbreiteten und gut zu bearbeitenden Metalls wie Eisen wurden zahlreiche Alltagsgegenstände modernisiert. Der Ackerpflug gehört ebenfalls dazu und erhielt in der Eisenzeit eine metallene Pflugschar, die das Gerät nicht nur tiefer in den Boden eindringen ließ, sondern gleichzeitig erlaubte, die Krume zu wenden. Dadurch ließen sich nicht nur Unkräuter besser bekämpfen. Der Umbruch von Boden fördert die Aktivität von Mikroorganismen, die Stickstoff und damit Pflanzennährstoffe freisetzen. Zur gleichen Zeit baut sich im Boden jedoch der fruchtbare Humus ab und muss erneuert werden. Das schwere Pflügen machte es weiterhin möglich und notwendig, Düngemittel wie Mist auf die Felder aufzubringen und einzuarbeiten, die den Humus erneuern und den Pflanzen zu besserem Wachstum verhelfen konnten.
 
Ackerbau Das schwere Gerät war für die kleine, quadratische Parzellenform der bisherigen Äcker jedoch nicht mehr geeignet, da es am Ende einer Bahn gewendet werden musste und nicht mehr, wie die bis dahin genutzten leichten Pflüge, kreuz und quer über den Acker gezogen werden konnte. Die Äcker wurden also länglicher. Mit dem Pflügen begann man in der Mitte des Feldes und arbeitete sich von zwei Seiten zu den Rändern vor. Da der Boden nur in eine Richtung gewendet werden konnte, bildeten die Ackerflächen durch das Pflügen eine gewölbte Form, die Regen gut zu den Seiten hin abfließen ließ und damit zusätzlich der Erosion des Bodens vorbeugte. Auf diese Weise etablierte sich in der Eisenzeit die charakteristische Methode der sogenannten Wolbäcker, die noch bis ins Mittelalter hinein verwendet wurde und sich noch heute als Bodenwellen auf manchen Grünlandstandorten erkennen lassen.
Die Einführung des Eisenpfluges steigerte nicht nur die Erträge der eisenzeitlichen Ackerbauern, sondern machte gleichzeitig die Erschließung schwerer zu bearbeitender Böden möglich und eröffnete damit neue Siedlungsräume. Sie geht einher mit einem starken Anstieg der Bevölkerung in Mitteleuropa, die neue Kulturpflanzen für sich entdeckte.
 
Einkorn, Emmer, Hirse und verschiedene Hülsenfrüchte standen seit der Jungsteinzeit auf dem mitteleuropäischen Speiseplan. Insbesondere Linsen oder Erbsen waren nicht nur nahrhaft, sondern wirkten sich auch positiv auf den Ackerstandort aus, auf dem sie angebaut wurden: Feldfrüchte, die zur Familie der Schmetterlingsblütler zählen, sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft im Boden zu binden und anzureichern. Sie bieten eine natürliche Düngewirkung, die in einer Fruchtfolge ohne künstliche Dünger und mit nur wenig verfügbarem Mist große Effekte zeigen konnte. Andere angebaute Arten wie der Lein konnten nicht nur zur Ölgewinnung verwendet werden, sondern lieferten zusätzlich das Flachs, aus dem Leinen für Kleidung gesponnen werden konnte.
 
ackerbau In der Eisenzeit verringerte sich jedoch insbesondere der Anbau von Hirse zu Gunsten der Gerste, die sich nicht nur im keltischen, sondern auch germanischen Raum verbreitete, und des Hafers. Die Römer brachten den Dinkel dazu, der durch die Einführung der Eisenverarbeitung mit verbesserten, schärferen Sicheln geerntet werden konnte. Zusätzlich wurden nun auch Sensen verwendet, die das Getreide am Halmende abtrennten. Dadurch erntete man zusätzlich das Stroh, das sich anderweitig verwenden ließ. Weiterhin wurden einige Getreidearten nun als Wintergetreide im Herbst gesät. Dieses benötigt einen Kältereiz im Winter, um seine Halme in die Höhe wachsen zu lassen. Der Lebenszyklus der Pflanze ist damit länger als bei Sommergetreide und bietet die Möglichkeit, höhere Erträge zu erzielen.
Neben all diesen Feldfrüchten, die wir noch heute verwenden, zählten jedoch auch Kulturpflanzen zum Artinventar unserer Ahnen, die heute weitgehend aus unserer Nutzung verschwunden sind. Färberwaid, der zum Blau- und Grünfärben von Stoffen genutzt wurde, wurde ebenso kultiviert wie Schlafmohn. Seiner halluzinogenen Wirkung verdankt dieser den Stand einer alten Kulturpflanzen, die bereits in der Bronzezeit von Nordafrika aus über den Mittelmeerraum Mitteleuropa erreichte. Verwendet wurde der Mohn vermutlich für kultische oder medizinische Zwecke.
 
Das Eisen revolutionierte den Ackerbau, im Vergleich zur heutigen Agrarwirtschaft sind die Unterschiede jedoch noch immer gewaltig. Dünger stand, mit Ausnahme des Mistes aus den zunehmend an Bedeutung gewinnenden Tierställen und Gründünger aus Hülsenfrüchten, nicht zur Verfügung. Verwunderlich ist es daher nicht, dass Emmer und Einkorn, die aktuell in Bio-Betrieben eine Renaissance erleben, am besten gedeihen, wenn sie nicht künstlich gedüngt werden. Trotzdem erreichen diese Getreidesorten selbst heute mit moderner Agrartechnologie Erträge, die sich gerade auf 10 bis 25% der geerntet Menge moderner Weizensorten belaufen. Hinzu kamen zur Eisenzeit Unkräuter und –gräser, die auf dem Acker einen neuen Lebensraum erschließen konnten.
 
Was heute durch moderne Saatgutreinigung und Pflanzenschutzmittel verhindert wird, war in vorgeschichtlicher Zeit noch ganz alltäglich: Brachte man Getreidekörner zur Einsaat aus anderen Regionen Europas mit, befanden sich immer ähnlich aussehende Samen unerwünschter Pflanzen dabei. Die lichtbedürftigen Arten von Wiesen und Ackerrändern waren in dem einstmaligen Waldland Mitteleuropa nicht heimisch, sondern sind durch den Menschen im Laufe der Jahrtausende dort verbreitet worden. Mit der Etablierung des Ackerbaus wurde eine Vielzahl von Pflanzen gefördert, die sich in ihrem Lebensrhythmus dem Getreide anpassten. Arten wie die Kornblume, der Hirtentäschel oder die Kamille verbreiteten sich dadurch vom Mittelmeerraum oder Vorderasien aus ebenfalls in Europa und gediehen auf den Getreidefeldern der vor- und frühgeschichtlichen Ackerbauern. Hin und wieder wurden dabei die Vorzüge von einigen dieser Unkräuter entdeckt. Der Senf zum Beispiel entwickelte sich aus einem Acker-Unkraut.
 
Auf diese Weise bildeten die zahlreichen technischen Neuerungen in der Eisenzeit einen Schritt in Richtung moderner Landwirtschaft, deren Fortschrittlichkeit auch in Schriftquellen dokumentiert wurde. Römische Autoren wie Cato und Columella beweisen ein beeindruckendes Verständnis von Kulturpflanzenanbau und Landschaftspflege, das leider über viele Jahrhunderte verloren ging, bevor es neu entdeckt werden konnte.
 
Zum Weiterlesen (und Selberkochen!):
 
Hansjörg Küster: „Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“ – 4.Auflage, C.H.Beck-Verlag München
Webpräsenz der Initiative Urgetreide: www.initiative-urgetreide.de
Achim Werner: „Keltische Kochbarkeiten“ – Theiss-Verlag Stuttgart
 
Das Copyright für den Text und die Bilder liegt bei der Autorin Astrid Rauner.
Zur Website der Autorin: astrid-rauner.de
 
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