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Mittelalter Topliste
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Sonderausgabe Mai 2012 - Teil 1: Hessen in der Eisenzeit

Sonderausgabe Webzeitung - Webmagazin - Mittelaltermagazin für Freunde des Mittelalters Mai 2012


 

 

Astrid Rauner
 
Erster Teil:
Geschichte einer Kulturlandschaft:
Hessen in der Eisenzeit
 
 
Der Begriff Landschaft enthält das Wort „schaffen“ und enthält damit schon einen Hinweis auf die dynamischen Prozesse, die die Umwelt, die uns heute so vertraut und alltäglich vorkommt, in allen Zeitaltern geprägt und verändert hat. Hessen, als Mitte Deutschlands, hat heute Abwechslung hinsichtlich seiner Landschaften zu bieten, die von Mittelgebirgen bis hin zu den Rheinniederungen reichen. Blickt man jedoch nur wenige Jahrhunderte zurück, wird schnell bewusst, dass auf all diese so ursprünglich wirkenden Landschaften ländlicher Regionen, ob nun von Wiesen, Wäldern oder Gewässern dominiert, eine Spezies seit ihrer Besiedelung maßgeblichen Einfluss genommen hat: Der Mensch.
 
Hessen in der Eisenzeit Bevor der Homo sapiens jedoch die ersten festen Siedlungsplätze in Zentraldeutschland errichtete, fand er ein unberührtes Land vor, das bei seinem Eintreffen von Afrika in Europa gerade eine extreme Wandelung durchgemacht hatte. Will man diese Prozesse verstehen, muss man sich die entscheidenden Einflussfaktoren der natürlichen Landschaftsbildung vor Augen halten: Zum einen das sogenannte Relief, die Form eines Geländes mit Anhöhen und Tälern, das seit Beginn der Erdgeschichte von den Bewegungen der Erdplatten geprägt und verändert wird, und zum anderen das Klima, das zu Zeiten der Jäger und Sammler eine der letzten Phasen Jahrhunderttausende andauernder Eiszeiten erreicht hatte. Mit dem Abschmelzen der großen Gletscher, die Teile des europäischen Festlandes unter sich begraben hatten, entstanden die meisten unserer heute bekannten Flüsse in ihrem grundsätzlichen Verlauf. Diese schlängelten sich in Schleifen und Mäandern durch ihre Flussauen und waren nur grob geologischen Strukturen angepasst. Der Rhein beispielsweise folgt einem Graben im Ausgangsgestein unseres Kontinents. Dieser ist ein Riss, durch Bewegung der Erdplatten entstanden, der von Norwegen durch Europa bis nach Ostafrika hinein reicht.
Nach Abschmelzen der Eiszeitgletscher jedenfalls fanden die Jäger und Sammler, die sich nun auch bis Norddeutschland und Skandinavien vorwagen konnten, in unserer Heimat eine baumfreie Graslandschaft vor, wie sie heute noch auf den skandinavischen Inseln Öland und Gotland zu sehen ist. Die riesigen Tierherden, die in diesen Steppen Lebensraum fanden, wurden zu den Lebensgrundlagen der Steinzeitmenschen, bis das immer mildere, ausgeglichene Klima einen Wandel hervorrief, der die Menschen zu einer Änderung in ihrem seit Jahrtausenden bewährten Leben zwang: Die Bäume kehrten zurück.
Unsere aktuellen Klimaverhältnisse in Mitteleuropa, die zur sogenannten „gemäßigten“ oder „nemoralen“ Klimazone zählen, bieten ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von Wald. Unmittelbar nach der Eiszeit war es zunächst der Hasel, der erste Wälder bildete, und schon bald im heutigen Zentraldeutschland von der Eiche und letztendlich der Rotbuche abgelöst wurde. Die zunehmende Baumdichte, die in ganz Mitteleuropa nach Ende der letzten Eiszeit-Kaltphase zu beobachten war, nahm den Wildtierherden ihren Lebensraum und zwang die Menschen, die diesen als Nomaden über hunderte Kilometer hinterher gereist waren, zu einem Überdenken ihrer Lebensweise.
Heute ist Deutschland zu einem Drittel von Wald bedeckt. Die ersten Siedlungen dauerhaft sesshafter Menschen wurden jedoch in einem Land errichtet, das völlig mit Bäumen bewachsen war. Die einzigen Flächen, die sich von Natur aus der Besiedelungen großer Gehölze entzogen, waren Moore, Blockschutthalden oder Dünen. Die Menschen mussten also beginnen, sich ihre Siedlungsflächen mitten im Wald von Bäumen frei zu schlagen und freizuhalten. Verließen sie eine Siedlung, trat ein Prozess ein, der in der Wissenschaft „Sukzession“ genannt wird: Es erfolgte eine Rückeroberung des vom Menschen veränderten Stücks Land durch die ursprünglich vorherrschende Vegetation des Buchenwaldes. Der Mensch jedoch blieb. Und mit der Einführung des Ackerbaus in Europa wuchs die Bevölkerung immer schneller und weiter, sodass noch mehr Siedlungsflächen erschlossen und ausgedehnt wurden. Auf diese Weise kam es über Jahrtausende zu einer Auflichtung der Landschaft, für die dasselbe galt, wie für unsere heutige: Offenland, wie wir es in weiten Wiesen oder Ackerland finden, ist in Deutschland bis auf die wenigen, von Natur aus waldfreien Standorten, ausschließlich vom Mensch geschaffen.
 
Hessen in der Eisenzeit Bis das Zeitalter im heutigen Hessen anbrach, das von der Wissenschaft nach dem wichtigsten, vom Menschen verwendeten Werkstoff benannt wurde, dem Eisen, existierten bereits Siedlungsplätze, die seit der Jungsteinzeit über Jahrtausende immer wieder aufgesucht und erhalten worden waren. Verwunderlich ist nicht, dass viele von ihnen an den großen Flüssen, den Hauptverkehrswegen, lagen, zu denen schon immer der Rhein gehörte. Reiste man damals jedoch in das Umland des gigantischen Stroms, fand man ein langsam dahin fließendes Wasser vor, das in Hessen in weiten Bögen, sogenannten Mäandern, das Land durchschnitt und über Kilometer Gebiete bei Hochwasser überschwemmte und zu Sumpflandschaften machte. Diese natürliche Dynamik bedingte bei allen Flüssen auch immer die Bildung von Altarmen, die allmählich vom Hauptzufluss abgeschnitten wurden. Ein beeindruckendes Beispiel ist in Hessen heute nahe Darmstadt innerhalb großer Niedermoorflächen zu sehen. Diese sind Relikte einer Zeit, als der Neckar noch in Südhessen in den Rhein mündete. Die Menschen der Eisenzeit werden noch Zeuge dessen gewesen sein, bevor der Fluss verschlammte, verlandete und sich langsam zum heutigen Zufluss bei Mannheim zurückzog.
Ebenfalls seit der Steinzeit besiedelt sind Hessens fruchtbare Landstriche, die noch heute ideale Ackerbaubedingungen bieten. Regionen wie die Wetterau oder das Amöneburger Becken in Zentralhessen profitieren von einem bestimmten Sediment, das sich während der Eiszeit auf ihren Böden abgelagert hatte. Standorte, die reich an dem sogenannten Löß sind, speichern Wasser und damit Nährstoffe gut und konnten schon damals manche Missernte mindern. Demnach erhalten sich einzelne Siedlungsplätze in diesen Regionen schon seit der Steinzeit und wurden in der Eisenzeit zu bedeutenden Zentralorten, wie der Glauberg in Oberhessen, deren Handelsnetze weit über die Grenzen eines Stammesgebietes hinausreichten. Alte Handelsrouten überdauerten ebenfalls seit der Steinzeit. Über lange Nord-Süd-Verbindungen, wie die Bernsteinrouten, oder Ost-West-Straßen vom Rheinland bis weit nach Böhmen lassen sich heute noch die Handelsverbindungen nachvollziehen, die exotische Importgüter aus dem mediterranen Raum ins keltische Deutschland brachten. Wein, Färbemittel oder Kunstgegenstände erreichten über die Alpen Bayern, Baden-Württemberg und auch Hessen, während Felle oder Bernstein nach Süden exportiert wurden.
Obwohl der mitteleuropäische Wald zur Eisenzeit aus Siedlungen Inseln machte, verknüpften Straßen die großen Zentralorte über viele hundert Kilometer hinweg. Verließ man jedoch die viel bereisten Routen, von welchen viele heute „Hohe Straße“ heißen, tauchte man in eine Wildnis ein, die im Bewusstsein der damaligen Bevölkerung von Geistern, Göttern und übermenschlichen Wesen bewohnt waren. Die Rhön beispielsweise, die man heute als „Land der offenen Ferne“ kennt, war zur Eisenzeit bis auf wenige Keltensiedlungen vollständig bewaldet. Die erste, großflächige Auflichtung der „Herkynischen Wälder“, wie die Region jenseits des Rheins bis weit nach Böhmen hinein in antiken Schriften genannt wird, kam mit den Römern im ersten Jahrhundert n.Chr. Der Siedlungsbau und Unterhalt des Militärs forderte Unmengen des Holzes, während die wachsende Bevölkerung mit Ackerbau ernährt werden musste. Alte, landwirtschaftliche Flächen wie in der Wetterau waren bereits zu keltischer Zeit vergleichsweise baumfrei gehalten worden. Nun aber, unter römischer Herrschaft, wurde ein Netz aus Siedlungen und Infrastruktur durch die nördlichen Provinzen des Imperiums gelegt, bis der Limes, Ende des ersten Jahrhunderts n.Chr. erbaut, eine fixe Grenzlinie in der Wildnis Magna Germania bildete.
 
Zu dieser Zeit hatte die Entwicklung unserer heutigen Landschaft jedoch längst begonnen. Und obwohl die Menschen der letzten Jahrtausende das Antlitz Deutschlands maßgeblich verändert haben, lassen sich noch heute die Spuren alter Besiedlung und Landnutzung erkennen, ohne einen Spaten in die Hand nehmen zu müssen.
 
Zum Weiterlesen:
Hansjörg Küster: „Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“ – 4.Auflage, C.H.Beck-Verlag München
 
Das Copyright für den Text und die Bilder liegt bei der Autorin Astrid Rauner.
Zur Website der Autorin: astrid-rauner.de
 
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