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Ausgabe 7 - Seite 18 - Burg Peine

Ausgabe 2011 Web-Zeitung für Freunde des Mittelalters Burgvorstellung



Die Peiner Burg

Ein Bericht von Michael Woiki



Peine – eine niedersächsische Kleinstadt zwischen Hannover und Braunschweig am Mittellandkanal. Das Stahlwerk liegt in der Stadt, die Autobahn A2 führt an ihr vorbei. In der Innenstadt gibt es eine große Zahl teils liebevoll restaurierter Fachwerkhäuser. Ja, auch wenn viele es nicht wissen: Peine ist alt und hat Geschichte … und Peine hatte eine Burg.

Ein gewisser Berthold von Pagin, ein Ministeriale des deutschen Königs Lothar III., wird hier urkundlich 1130 erstmals erwähnt, und es wird vermutet, dass sich der Name Peine von Pagin ableitet. Wahrscheinlich ließ er die Peiner Burg erbauen, vielleicht gab es aber auch schon Vorgängerbauten, was geographisch sehr wahrscheinlich ist, gab es doch die nahegelegene Fuhsefurt zu schützen und zu kontrollieren.
Die Lage der Burg war dafür ideal: Eine trockene Halbinsel aus eiszeitlichen Sänden in sumpfigem Gelände, an drei Seiten schützten Feuchtgebiete die Burg, nur eine Seite wurde wohl durch einen Wall und durch Palisaden geschützt.
Leider gibt es hierzu keine historisch gesicherten Belege.

Im Laufe der Zeit ist der Burgberg weiter aufgeschüttet worden und die gesamte Burganlage veränderte ihr Aussehen. Die kräftigen Eichenpalisaden wichen mächtigen zinnenbewehrten Steinmauern, und auch die hölzernen Bauten wurden durch solche aus Stein ersetzt, ein Bergfried überragte die Burg, weithin sichtbar.

Bertholds Sohn und Nachfolger Ludolf wird zum ersten Mal im Jahre 1154 in einer Urkunde Heinrichs des Löwen erwähnt, 1160 wird Ludolf als Graf bezeichnet.

Heinrich der Löwe kehrte nach dem Tod Kaiser Barbarossas 1190 aus dem Exil zurück und versuchte, seinen verlorenen Besitz zurück zu erobern. Gemeinsam mit seinen Söhnen griff er auch Ludolf von Peine an. Bereits nach zweitägiger Belagerung musste die Burgbesatzung kapitulieren. Wie die Braunschweiger Reimchronik berichtet, wurde die Peiner Burg 1193 bis auf den Grund zerstört: „Unde wart ör holt unde ör steyne allent neder gebrochen.“

PeineIm Jahre 1202 wurde über die Burg dann im Chronicon Hildesheimense berichtet. Der Ministeriale Gunzelin von Wolfenbüttel wurde als siegreicher Feldherr nach erfolgreicher Fehde für Kaiser Otto IV. gegen den Bischof Hartbert von Hildesheim mit der Burg Peine belehnt. Um 1220 gründete Gunzelin die Stadt Peine, die ihre Stadtrechte 1223 erhielt. Ihr Wappen hat die Stadt von Graf Gunzelin.

Nach dem Tod Gunzelins 1254/55 eroberte Herzog Albrecht von Braunschweig im Jahre 1256 die Stadt Peine, nicht aber die Burg. Zunächst jedenfalls, denn erst musste er sie belagern. Schließlich gaben Gunzelins Söhne auf. Sie verloren das Lehen 1260 endgültig an das Hochstift Hildesheim. Von da an gehörte Peine für lange Zeit zum Einflussbereich des Bistums Hildesheim.

1518 begann die Hildesheimer Stiftsfehde, unter der Peine sehr litt und die bis 1523 dauerte. Vorausgegangen war diesem blutigen Krieg ein Streit zwischen Bischof und Stiftsadel um zusätzliche Steuern und andere Privilegien, in den sich auch Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel einmischte, der mit dem Bischof Streit suchte.

1519 kam es zur ersten Belagerung Peines. Die Stadt brannte ab, doch die Burg hielt. Noch zweimal wurde die Burg belagert, Herbst 1521 und Sommer 1522, eingenommen wurde sie nicht.

Allerdings wurde die Burg besonders in der zweiten Belagerung schwer beschädigt. Die Angreifer beschossen neben den Mauern besonders den achteckigen Bergfried, den „Groben Günzel“, in der Hoffnung, dieser würde in den Wassergraben stürzen und seine Trümmer ihnen den Sturm auf die Festung erleichtern, doch der Burgbesatzung gelang es, den Bergfried so abzufangen, dass er in den Burghof stürzte. Die Angreifer mussten draußen bleiben. Schädel und Knochen gefallener Söldner fand man 1967 bei der Verlegung einer Fernheizleitung.

Als uneinnehmbares Eulennest wurde die Burg Peine bekannt, da aufgrund einer Sage eine Eule die Burgbesatzung vor einem nächtlichen Angriff gewarnt haben soll. Auf einem am Burgtor angebrachten Stein wurde darauf eine lateinische Inschrift eingemeißelt:

Noctua, Peinensis custos, defenderat olim/
Peinensis castri moenia, fama ut habet./
Ponimus hunc vigilem rursus Peinensis ad arcis/
ingressum. Hic noctis tempore bubo sedet./
Bubo oculis trucibus minatur et unguibus uncis,/
Ulula, tu vigiles! arx invicta manet.”

“Ein Kauz hatte einst als Peines Wächter verteidigt
die Mauern der Peiner Burg, wie die Geschichte geht.
Wir setzten diesen Wächter wieder an den Eingang
zur Burg. Hier sitzt zur Nachtzeit die Eule.
Die Eule droht mit trotzigen Augen und gebogenen Krallen.
Halt' Wache, Kauz! (So) bleibt die Burg unbesiegt“

Aus dieser Zeit ist auch die älteste Darstellung der Peiner Burg, auf der Peiner Hochzeitsschüssel von 1534. Es handelt sich um eine Belagerungsszene aus der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 - 1522).
Nach der Stiftsfehde wurden die zerstörten Teile der Burg in vereinfachter und schlichter Form wieder aufgebaut, die früher weithin sichtbaren Zinnen und Türme gab es nun nicht mehr. Lediglich die runde Form der Anlage orientierte sich noch am mittelalterlichen Burgberg.

Das neue Hauptgebäude war zweistöckig und besaß auf einem massivem Untergeschoß ein Fachwerkobergeschoß mit hohem Walmdach. Daran schloss sich im Nordosten ein von niedrigen Wirtschaftsgebäuden umschlossener runder/ovaler Hof mit einigen vorspringenden Wirtschaftsgebäuden.

Der Zugang zur Burg war von zwei Seiten möglich, einmal vom Markt über eine Zugbrücke oder von der heutigen Katholischen Kirche aus auf den nordwestlichen Burgberg, wo sich auch das Torgebäude mit Zwinger befand. Wer von der Stadt aus über die Zugbrücke kam, musste also außen fast um das gesamte Schloss herumgehen.

In der wirren und grausamen Zeit des 30-jährigen Krieges wechselten Stadt und Burg mehrmals den Besitzer, es war im Grunde ein ständiges Kommen und Gehen der vielen plündernden Heerscharen und die Stadt Peine verlor ihre Befestigungen, bis auf die Burg.
Nach dem Friedensschluss von Münster und Osnabrück fühlte sich der Fürstbischof von Hildesheim gegenüber den nahen Welfenfürsten unsicher und beschloss, Peine als Festung auszubauen. 1659 begann man mit den Bauarbeiten, der runde Burgberg bekam einen quadratischen Grundriss mit Eckbastionen und einen bis zu 20m breiten Graben. Verwendet wurde Material aus den Wällen der nicht mehr benötigten Burg Steinbrück in Söhlde, aber wohl nicht alles, denn interessanterweise steht heute noch ein großer Teil von Burg Steinbrück wie der Palas und Teile des Bergfrieds, und wer mag, mutig ist und Geld hat, kann die Ruine kaufen und sich Burgherr nennen. Doch Burg Steinbrück ist ein anderes Kapitel.
1663 war man, aus Geldmangel um einiges bescheidener als geplant, mit dem Umbau der Festung Peine fertig.

Kriegerische Handlungen um die Burg Peine gab es danach nicht mehr. Die Welfen blieben friedlich, kein Prinz pöbelte, und das Bistum kümmerte sich endlich mehr um kirchliche Angelegenheiten. Im Laufe der Zeit begann die Anlage zu verfallen. Preußische Truppen nahmen 1802 die Burg kampflos in Besitz. Am 19.12.1803 begann dann der Abriss. Das letzte Gebäude, das alte Zeughaus, fiel 1816.

Die Steine der einst stolzen Mauern wurden zum Bau von Häusern und hauptsächlich Straßen gebraucht, die Peiner Burg verschwand aus dem Bewusstsein der Menschen, die Fuhse fließt mittlerweile auch begradigt ein Stück weiter westlich, bis 1998 das verwilderte Gelände am Rand des noch immer deutlich erkennbaren und neuzeitlich bebauten Peiner Burgberges archäologisch untersucht wurde und man dabei Gebäude- und Mauerreste der alten Peiner Burg fand.
Diese wenigen Überbleibsel können heute mitten in Peine besichtigt werden.



Quelle:
Peine
Peine Marketing GmbH
Stadtarchiv Peine




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