Mai 20 2019 00:17:14
Navigation
· Startseite
· Suche
· Aktuelle Termine
· Inhaltsverzeichnis
2010
· Ausgabe 1
· Ausgabe 2
· Ausgabe 3
· Ausgabe 4
2011
· Ausgabe 5
· Ausgabe 6
· Ausgabe 7
· Ausgabe 8
· Sonderausgabe 2011
2012
· Ausgabe 1
· Ausgabe 2
· Ausgabe 3
· Ausgabe 4
· Ausgabe 5
· Sonderausgabe 2012
Tourseiten
· Sverker Tour 2012
Login
Benutzername

Passwort



Noch kein Mitglied?
Klicke hier um dich zu registrieren

Passwort vergessen?
Um ein neues Passwort anzufordern klicke hier.
Ausgabe 7 - Seite 8 - Racesburg Wylag

Ausgabe Nr. 07/2011 Web-Zeitung für Freunde des Mittelalters Sonntag, 14. August 2011



Racesburg Wylag

Vom 30. Juli bis 7. August Annno Domini 2011 zu Ratzeburg in Schleswig-Holstein


Jedes Jahr und eine Woche lang veranstaltet die Stadt Ratzeburg mit einer Gruppe Mittelalter-Experten zusammen den „Racesburg Wylag“. Leider hat es dieser kleine aber feine Markt noch nicht zu der Bekanntheit gebracht, die er verdient hätte.

1. Teil: Dienstag, 02.08.: Eitel Sonnenschein

Wylag Auf dem gut besetzten Parkplatz erregen wir als gewandete Gruppe selbst bei den Touristen kaum Aufsehen, die Marktleute sind, wie es scheint, bestens in das Stadtleben integriert. Das Marktgelände selbst ist von einem mit Stoff abgehängten Zaun umgeben. Freier Eintritt für gewandete Besucher – auch das ist selten geworden...

Die Sonne scheint durch die Blätter der Bäume am Ufer des Ratzeburger Sees. Plätschern und Stimmen vom Drachenboot, dass sich dem Anleger nähert.. Vor uns im kniehohen Wasser steht ein zerzauster kleiner Blondschopf im durchweichten Kittelchen und spielt mit seiner Steinschleuder. Hier ist Geschichte tatsächlich lebendig.

Unser Weg führt vorbei an Wikingerlagern, in denen sich gerade der ganz „normale Alltag“ abspielt: Frauen rühren in Töpfen über den Feuerstellen, holen Wasser, sitzen bei Näharbeiten, weben und spinnen, Kinder toben herum und ein Säugling liegt in einer Holzwiege…. beschaulich. Vor den Handwerkszelten ist auch schon Betrieb, der Schmied hämmert, es riecht streng, aha, Trockenfleischherstellung. Weiterhin sehen wir Färber, Korbflechter, Laternenmacher und Schilderbauer in Aktion.

Irgendwo klirren Waffen, dort rüstet sich wer, Aufruf zur „Adlerweihe“. Das Lager der römischen Kohorte Legio XXI Rapax wird hier dargestellt, davor eine Reihe Soldaten in Reih´ und Glied. Gleich wird exerziert. Bunte Schilde und schimmernd geputzte Helme leuchten in der Sonne. Wir werden von einem netten Centurio in die von zwei Soldaten bewachte Einfriedung des Kohortenlagers gebeten, zu einer persönlichen Führung durch die Zeltreihen.
Wir staunen: einfache Soldaten schlafen in den Mannschaftszelten auf Stroh, auf einem Fell oder einer groben Decke, ausgestreckt in ihren Schilden. Augenzwinkernd schlägt der Centurio mit dem aufwändig verzierten Gladius, ganzer Stolz eines Römers, die Decke seines Schlaflagers zurück „... einige Segnungen der Neuzeit gönne ich mir dann doch“ … aha, eine Isomatte! Die Schilde mit den fantasievollen Bemalungen haben die Römer-Begeisterten bis vor kurzem noch selbst hergestellt, nun aber beziehen sie diese in Serienproduktion und guter Qualität aus Indien. Reenactment meets Globalization!
Ein Weihestein in einem Zelt wird uns erklärt, er wird später bei der Weihe des Adler-Feldzeichens gebraucht. Junge Kerls in kurzen Kitteln schleppen Vorräte und verrichten Lagerarbeiten, Frauen durften nur die Hauptleute mit ins Lager bringen …
Wir danken unserem römischen Führer und verlassen die gut bewachte Legio XXI. Übrigens kommen die Mitglieder dieser Gruppe nicht nur aus Deutschland, sondern reisen auch extra aus Italien, Österreich und Polen an. Wie der Centurio stolz einflocht, werden sie demnächst sogar am Ort ihres Ursprungs, nämlich in Rom, auftreten.

Gerade zeigen vor dem Lager noch zwei Gladiatoren im Lendenschurz ihre Künste, einer mit Netz und Dreizack, sein Gegner mit Schwert, Beinschienen, Helm, Schild und Metallgürtel. Das Publikum soll mit Daumenzeichen entscheiden, ob der Verlierer lebt oder getötet werden soll. Wir wenden uns rechtzeitig ab...

Ein sarmatischer Reiter ruht im Schatten seines Zeltes, daneben dösen im Paddock seine Rösser in der Sonne, bewacht vom „Drachen Voltus, der diejenigen in die Hand beißt, die das Zaunseil berühren“, so stehts auf dem handgemalten Schild am Zaun.
Später wird er als „Ritter zum Anfassen“ den Besuchern Rede und Antwort stehen und auch die ein oder andere Kampftechnik zu Pferd erläutern.
Auch das Hochmittelalter ist vertreten, zwei Knappen putzen gerade die Plattenpanzerrüstungen.

Zurückgezogen in der Ecke steht eine riesige Mongolenjurte, der dazugehörige Hüne sitzt stoisch daneben unter einem Sonnensegel und hält Dolche und andere Waffen feil. Mehrmals täglich gibt es eine Führung auch durch dieses ganz eigene Reich. Man sieht am Eingang die verschiedenen Schichten der Zeltbespannung, darunter auch dicke Filzplatten. Ein Bild vor dem Zelt stellt dar, wie man es früher transportierte, nicht etwa in Einzelteilen zerlegt sondern im ganzen, gezogen von 20 Ochsen – was für imposantes Fuhrwerk, das da durch die Steppe zog!

Auf dem See sind wieder die beiden Drachenboote unterwegs, seefeste Besucher können mitfahren, und es gibt sogar eine „Kaperfahrt“ für Kinder. Die kommen voll auf ihre Kosten auf dem Wylag, das Programm ist vom Kinderknappentraining über Schmieden für Kinder, Ritter zum Anfassen bis zur Märchenstunde auch ganz auf die Kleinen abgestimmt.

Ein Harfenspieler sitzt vor seinem Zelt und klimpert vor sich hin, erst beim zweiten Mal erkenne ich Jonny Robels ….Keltische Harfenklänge im Sonnenschein …. unglaublich schön.

Bei der Taverne lassen wir es uns nun unter dem Sonnensegel bei Honigbier und frischem Brot gut gehen und freuen uns über die vielen Besucher, die mittlerweile über den Markt strömen, viele auch in Gewandung. Wir lauschen am Stand von „Tiger“ Thomas dessen Geschichten über Kampfhunde, Greifvögel und „Camping Extrem“ und erwerben bei ihm noch zwei Pferdeschweife für unsere Standarte. Schließlich wird’s Zeit zu gehen, Haus und Hof warten, wir trennen uns schwer...

Veranstalterhomepage: www.wylag.de

Ein Marktbericht von Sabine Stutterheim
Homepage: Die Rosserer


Da es am Dienstag so schön war beschließen wir, am Samstagnachmittag erneut zum Markt zu fahren. Schwülwarme Luft droht mit Gewitter. Ove entscheidet sich trotzdem, den Wollumhang zu Hause zu lassen - ein folgenschwerer Entschluss, wie sich noch zeigen sollte …

2. Teil: Samstag, 06.08.: Wolkenbruch und Wasserflut

Wylag Als wir das Fahrzeug auf dem wieder oder immer noch vollen Parkplatz abstellen, fallen die ersten Tropfen aus tief hängenden Wolken, die sich plötzlich schwarz über dem See auftürmen. Schon prasselt es auf uns nieder, Besucher kommen uns fluchtartig entgegen, verlassen den Platz. Beim Einlass, immerhin im Trockenen, die nette Maid, die uns wieder durchwinkt. Überall werden die Stände hastig sturmfest gemacht, überall wird alles eingesammelt, das Lagervolk schließt die Zeltplanen …

Nach kurzer Zeit steht Wasser auf den Wegen, man hört erste Grabungsgeräusche, als rund um die Zelte direkt am See Spaten geschwungen werden. Wir retten uns in die „große Halle“, einem hohen Pfahlbau mit Reetdach. Die Gewalt des Regens ist jetzt so groß, dass auch hier Rinnsaale fließen, durchs Dach läuft es an vielen Stellen. Aus einem Rohr, das von der höher gelegenen Straße aufs Gelände führt, ergießt sich ein armdicker Strahl Wasser auf den Platz. Die Lagerleute sind alle in Aufruhr, mehr oder weniger bekleidete durchnässte Menschen retten ihr Hab und Gut und graben, graben und graben um ihre Zelte herum.
Eine große Gruppe Leute hat sich am reißenden Bach eingefunden, auch dort wird gegraben um das Wasser von den Zelten zum See umzuleiten. Schnell werden Ketten gebildet, mit Holzschalen, Eimern und anderem geeigneten Gerät wird das vorbeischießende Wasser Richtung Graben befördert.

Wylag Endlich lässt die Sintflut nach... die wenigen wetterfesten Besucher wagen sich aus den diversen Zufluchten (keine davon ist richtig trocken) hervor.

Völlig durchweicht (Ove .. der ja seinen Umhang zu Hause ließ) und mit triefenden Wollumhängen stranden wir zuletzt noch in Jonny Robels Zelteingang. Natürlich hat er seine Harfe nun regendicht verpackt, aber er erzählt uns kurzweilige Geschichten vom Wylag, von seiner Musik und von sich, bis der Regen mal wieder nachlässt. Wir gehen erst, als dass wir ihm zwei seiner CDs, Harfe plus keltischem und plus satirischem Gesang (Hiller, A-Film), abgeschnackt (und bezahlt) im Beutel verstaut haben.

Bei der Taverne ist schon „happy hour“, das leckere Honigbier kostet nur die Hälfte, der Bäcker schiebt für uns noch die letzten Brote in den herrlich heißen Ofen.

Dann laufen wir noch dem Veranstalter-Team-Mitglied Hermann über den Weg. Er nimmt sich richtig Zeit, stapft unverdrossen, unauthentisch und gummibestiefelt mit uns über den Platz, um uns sein Ross zu zeigen (das im überfluteten Paddock steht und sein Kommen freudig bewiehert) und seine Arbeit mit dem Pferd zu erläutern. Er war Vizemeister in diesem Jahr in Hermannsburg bei der „Deutschen Meisterschaft der Ritterschaften“ mit den „Rittern vom silbernen Vlies“ und weiß wovon er spricht. Wir kommen ins Fachsimpeln. Mit der Aussicht, im nächsten Jahr beim großen Umzug durch Ratzeburg bei ihm mit zu reiten, streben wir nun bedauernd dem Ausgang zu. Es ist sehr spät geworden und dunkel, nicht vom Wolkengetürm, sondern der hereinbrechenden Nacht. In den Zelten leuchten Lampen und Kerzen, vereinzelt hört man noch Wasser plätschern. Brandgefahr besteht jedenfalls in dieser Nacht nicht.

Unser Dank und unsere Hochachtung an die Gemeinschaft der gebeutelten Lageristen für ihre Gastfreundschaft und gute Allwetter-Laune - trotz oder vielleicht auch wegen der Notstandssituation auf der Schlosswiese am Ratzeburger See.

Fazit:

Allen Freunden beschaulicher, authentischer und informativer Märkte sei der nächste „Racesburg Wylag 2012“ wärmstens empfohlen, hier ist es – bei jedem Wetter - ganz authentisch ohne „A“- Dogma, alles ist stimmungsvoll aufgebaut und unglaublich freundlich betreut. Und nicht nur für Kinder ein Abenteuer!



Bilder:
Die Bilder wurden von "Tourist-Information Ratzeburg" zur Verfügung gestellt
© 2011 www.inselstadt-ratzeburg.de


Erscheinungsweise: Zweimonatlich Vervielfältigung nur mit Genehmigung Impressum

Adsense
Wandtattoo selber machen





TapeRay - Wandtattoo Community

Wandmotive | Wandtattos | Aufkleber
1,522,920 eindeutige Besuche